Embargoprüfung im Zahlungsverkehr
Die Embargoprüfung im Zahlungsverkehr gleicht eine Zahlung mit Sanktionslisten ab, bevor die Bank sie ausführt: die Namen von Zahler und Empfänger, die beteiligten Banken, Adressen und das Freitextfeld zum Verwendungszweck. Für Echtzeitüberweisungen in Euro hat das EU-Recht die Prüfung jeder Zahlung durch eine tägliche Prüfung der eigenen Kunden ersetzt. Termine zu Payments und Compliance stehen im Kalender weiter unten.
Was die Embargoprüfung prüft
Die Wolfsberg Guidance on Sanctions Screening (2019, auf Englisch) unterscheidet zwei Kontrollen. Das Kundenscreening prüft die Geschäftspartner einer Bank, bei der Aufnahme und danach in festen Abständen. Das Transaktionsscreening prüft die Bewegung von Werten zwischen Parteien, meist in Echtzeit und an einer Stelle, an der sich die Zahlung noch stoppen lässt. Für grenzüberschreitende Zahlungen beschreibt Wolfsberg die Prüfung in Echtzeit als gängige Praxis.
Geprüft werden in einer Zahlungsnachricht die Namen von Auftraggeber und Begünstigtem, von Vermittlern und Banken, BICs und andere Routing-Codes, das Freitextfeld zum Verwendungszweck sowie Adressen und Länder. Betrag, Datum und Referenznummern taugen laut Leitfaden nicht für die Prüfung.
Unscharfe Suche und Fehltreffer
Prüfsoftware vergleicht Namen per Fuzzy Matching, damit auch ein transkribierter oder falsch geschriebener Name einen Treffer erzeugt. Der Wolfsberg-Leitfaden nennt den Preis: Fuzzy Matching, Aliase und schlechte Daten erzeugen viele Fehltreffer, und ein Alarm ist nur der Anfang einer Prüfung und beweist für sich nichts. Kurze Namen, Spitznamen und gängige Abkürzungen auf den Listen sind schwache Aliase mit vielen Fehltreffern. Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und Geburtsort helfen, einen echten Treffer von einem falschen zu trennen.
Banken stimmen das System vor dem Start und danach ab: welche Listen gelten, welche Parteien mit geringem Risiko ausgenommen sind, welche wiederkehrenden Fehltreffer unterdrückt werden und wie streng die Trefferschwelle ist. Wolfsberg verlangt dokumentierte Entscheidungen, unabhängige Tests und Kennzahlen zu den Alarmen und warnt vor Alarmspitzen nach großen Listenänderungen. In Deutschland gehen Meldungen über eingefrorene Gelder an die Bundesbank, wie die Seite zur Sanktions-Compliance erklärt.
Echtzeitüberweisungen: tägliche Kundenprüfung
Eine Echtzeitüberweisung muss den Empfänger binnen zehn Sekunden erreichen, zu jeder Uhrzeit, wie die Seite zu Instant Payments in Europa erklärt. Für diese Überweisungen hat die Verordnung (EU) 2024/886 die Prüfung umgestellt. Nach dem neuen Artikel 5d der SEPA-Verordnung prüft ein Anbieter von Echtzeitüberweisungen, ob einer seiner Kunden gezielten finanziellen restriktiven Maßnahmen unterliegt, sofort nach Inkrafttreten einer neuen Maßnahme und mindestens einmal pro Kalendertag.
Während der Echtzeitüberweisung selbst dürfen weder der Anbieter des Zahlers noch der des Empfängers prüfen, ob Zahler oder Empfänger diesen Maßnahmen unterliegen. Andere restriktive Maßnahmen und Pflichten zur Geldwäschebekämpfung bleiben unberührt. Die Regel gilt seit dem 9. Januar 2025. Vor der Überweisung läuft zudem die Empfängerüberprüfung von Name und IBAN.
Kommende Events zu Payments und Compliance in Deutschland
Was unterscheidet Embargoprüfung und Transaktionsmonitoring?
Die Embargoprüfung gleicht eine einzelne Zahlung vor der Ausführung mit Sanktionslisten ab und hält sie bei einem bestätigten Treffer an. Das Transaktionsmonitoring betrachtet die Kontoflüsse über die Zeit und sucht Muster der Geldwäsche, wie die Seite zum Transaktionsmonitoring erklärt.
Muss jede Zahlung geprüft werden?
Nein. Laut Wolfsberg brauchen Inlandszahlungen nicht unbedingt eine Prüfung in Echtzeit, wenn auf beiden Seiten dieselben Sanktions- und Know-your-Customer-Regeln gelten. Für Echtzeitüberweisungen in Euro verbietet das EU-Recht die Prüfung jeder Zahlung auf gezielte finanzielle restriktive Maßnahmen und verlangt stattdessen die tägliche Kundenprüfung.
Embargoprüfung und Finance Loop
Finance Loop ist der Treffpunkt für Sanktions-, Compliance- und Zahlungsverkehrsteams bei Banken und Zahlungsdienstleistern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Finance Loop unterstützt When Banks Say 'No', ein Payments-Seminar in Frankfurt zu Zahlungen unter Sanktions- und Geldwäscherecht.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.