Factoring in Deutschland

Wer offene Rechnungen an einen Factor verkauft, hat das Geld sofort und nicht erst nach 30 bis 90 Tagen. In Deutschland braucht ein Factoring-Unternehmen eine BaFin-Erlaubnis, die Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbands kauften 2024 Forderungen über 398,8 Mrd. Euro, und ab 2027 gilt DORA auch für Factoring-Institute. Termine zu Finanzen und Payments stehen im Kalender weiter unten.

Wie Factoring abläuft

Der Verkäufer von Waren oder Leistungen tritt seine Forderungen an einen Factor ab, eine Bank oder einen spezialisierten Finanzierer. Der Factor zahlt den Großteil sofort aus, laut Stripes Leitfaden zu Factoring in Deutschland meist 80 bis 90 %, und den Rest nach Zahlung des Kunden, abzüglich seiner Gebühren. Beim Full-Service-Factoring übernimmt der Factor auch das Ausfallrisiko und den Forderungseinzug.

Drei Varianten prägen den deutschen Markt. Inhouse-Factoring, bei dem das Debitorenmanagement beim Verkäufer bleibt, hatte 2024 einen Anteil von 65 %, Full-Service-Factoring 27 % und Fälligkeitsfactoring, bei dem der Factor erst zum Fälligkeitstag zahlt, 8 %, so der Deutsche Factoring-Verband. Factoring kann offen sein, dann zahlt der Kunde an den Factor, oder still, dann erfährt der Kunde nichts vom Verkauf.

Der deutsche Factoring-Markt in Zahlen

Die 43 Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbands stehen für rund 97 % des verbandlich organisierten Factoring-Volumens. Ihr Umsatz stieg 2024 um 3,7 % auf 398,8 Mrd. Euro, das sind 9,3 % des deutschen BIP. Das internationale Factoring erreichte 118,3 Mrd. Euro, fast alles davon Export-Factoring, das Inlandsgeschäft 280,5 Mrd. Euro.

106.850 Unternehmen nutzten 2024 Factoring. 93,9 % von ihnen hatten bis zu 10 Mio. Euro Jahresumsatz, während Großunternehmen 2,5 % der Kunden und fast 60 % des Volumens ausmachten. Stärkste Branche war der Handel, gefolgt vom Gesundheitswesen und der Lebensmittelindustrie.

Erlaubnis und Aufsicht

Factoring ist eine Finanzdienstleistung nach dem Kreditwesengesetz. Ein Factor braucht eine Erlaubnis der BaFin nach § 32 Abs. 1 in Verbindung mit § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 9 KWG, die Gebühr dafür beträgt 4.646 Euro. Das KWG verlangt kein Mindestkapital, und die Eigenkapital- und Liquiditätsregeln für das Kreditgeschäft gelten nicht.

Für die IT wendet die BaFin bis zum 31. Dezember 2026 ihre Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT) an. Ab dem 1. Januar 2027 gilt DORA auch für Finanzierungsleasing- und Factoring-Institute, mit Meldepflichten für Vorfälle, Resilienztests und einem Register der IT-Dienstleister. Die Seite DORA in Deutschland erklärt diese Pflichten.

Was Factoring kostet

Full-Service-Factoring hat laut Stripe zwei Preise: eine Servicegebühr von 0,5 bis 5 % des Rechnungsbetrags und Zinsen von 3 bis 6 % im Jahr auf das vorab gezahlte Geld. Fälligkeits- und Inhouse-Factoring kosten weniger, weil der Factor weniger leistet. Factoring-Gebühren sind umsatzsteuerpflichtige Leistungen, und jede verkaufte Forderung muss revisionssicher verbucht sein.

Dieselbe Mechanik steckt im Online-Einkauf von Firmenkunden. Bei B2B-BNPL zahlt der Anbieter den Lieferanten sofort und kassiert später beim Käufer.

Kommende Finanz- und Payments-Events in Deutschland

Finance Loop und Factoring

Finance Loop ist der Treffpunkt für alle, die in Deutschland Betriebsmittel finanzieren: Banker, Treasury- und Trade-Finance-Teams, Kredit-Fintechs und die Anwälte, die sie beraten. Es verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communitys in Deutschland, Österreich und der Schweiz, mit Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg.

Finance Loop unterstützt When Banks Say 'No', ein Payments-Seminar im NEXTOWER in Frankfurt für Compliance-, Treasury-, Finanz-, Export- und Rechtsteams. Es ist Partner des FinTech Founder & Investor Evening, bei dem Patrick Stäuble, CEO des Mittelstandsfinanzierers Teylor, über Kapital und Regulierung spricht.

Braucht ein Factoring-Unternehmen eine BaFin-Erlaubnis?

Ja. Factoring ist eine Finanzdienstleistung nach § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 9 KWG, und der Factor braucht eine Erlaubnis der BaFin nach § 32 KWG. Ein Mindestkapital verlangt das KWG nicht, und ab 2027 gilt DORA für Factoring-Institute.

Was kostet Factoring in Deutschland?

Für Full-Service-Factoring nennt Stripe eine Servicegebühr von 0,5 bis 5 % der Rechnung und 3 bis 6 % Zinsen im Jahr auf die Vorauszahlung. Der Endpreis hängt von der Bonität der Kunden, dem Rechnungsvolumen und den Leistungen des Factors ab.

Was unterscheidet Inhouse- und Full-Service-Factoring?

Beim Full-Service-Factoring zahlt der Factor vorab, trägt das Ausfallrisiko und zieht die Rechnungen ein. Beim Inhouse-Factoring behält der Verkäufer Debitorenmanagement und Einzug und zahlt weniger. Inhouse-Factoring hatte 2024 einen Marktanteil von 65 %.

Factoring und Finance Loop

Finance Loop behandelt Factoring im Track Payments & digitales Geld, neben Handelsfinanzierung und B2B-Zahlungen, mit DORA und Kreditrisiko im Track Risk & Compliance. Treasury- und Finanzteams treffen die Banken und Fintechs, die ihre Forderungen finanzieren, bei Finance-Loop-Events.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.

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