Fintech in Amsterdam: Zahlungsverkehr und der zugewanderte Handel

Amsterdams Fintech-Sektor steht auf zwei Fundamenten, die wenig miteinander zu tun haben. Das eine ist ein heimischer Zahlungsmarkt, der die Überweisung von Konto zu Konto löste, bevor der größte Teil Europas es versuchte, und diese Lösung jetzt an eine europäische abgeben muss. Das andere ist der Aktienhandel, der nach dem Brexit London verließ und hier ankam.

Für ein deutsches Haus zählt das Aufsichtsmodell. Die Niederlande teilen die Finanzaufsicht zwischen zwei Behörden nach Funktion und nicht nach Haus, das ist eine andere Ordnung als die eine BaFin, und sie ändert, mit wem man worüber spricht.

Eine Frau schaut an einer Amsterdamer Gracht auf ihr Handy.

Twin Peaks: zwei Aufsichten, geteilt nach Funktion

De Nederlandsche Bank führt die prudenzielle Aufsicht: Banken, Versicherer und Häuser im Zahlungsverkehr und Clearing, erteilt den Marktzugang über Erlaubnisse, überwacht die Eigenmittel und genehmigt bestimmte Übernahmen. Banken mit EZB-Erlaubnis sind die Ausnahme, wie überall im Euroraum. Die Autoriteit Financiële Markten führt die Verhaltensaufsicht: geordnete und transparente Marktprozesse, ordentliche Behandlung der Kunden, Erlaubnisse für Finanz- und Wertpapierdienstleistungen und für die Verwaltung regulierter Fonds, dazu Transparenz, Marktmissbrauch und Prospektaufsicht.

Geteilt wird nach Funktion und nicht nach Institut, dasselbe Haus antwortet also beiden. Ein Zahlungsinstitut spricht mit der DNB über Kapital und Governance und mit der AFM darüber, wie es seine Kunden behandelt, und die beiden Behörden müssen sich abstimmen, weil keine das ganze Bild hat. Wer eine Aufsicht gewohnt ist, pflegt praktisch zwei Beziehungen und erfüllt zwei Erwartungshaltungen, zum Ausgleich ist jede Behörde auf ihre Fragen spezialisiert.

Deutsche Häuser, die das mit dem integrierten Modell der BaFin vergleichen, finden die niederländische Ordnung bei Verhaltensfragen meist klarer und insgesamt aufwendiger. Keines ist besser, die Frage ist, welche Fragen das eigene Geschäft am häufigsten aufwirft.

iDEAL und warum es zu Wero wird

iDEAL ist das erfolgreichste nationale Zahlverfahren Europas und der Grund, warum der niederländische Onlinehandel nie kartendominiert wurde. Es trägt rund 70 Prozent aller Onlinezahlungen in den Niederlanden, läuft von Konto zu Konto, das Geld geht also an der Kasse direkt vom Konto des Zahlers, und betrieben wird es von Currence, deren Mitglieder die großen niederländischen Banken sind. De Nederlandsche Bank hat die Aufsicht darüber.

Und es geht in ein europäisches Verfahren auf. iDEAL hat die Umbenennung zu iDEAL | Wero begonnen, als erster Schritt eines stufenweisen Übergangs zu Wero, der europäischen digitalen Geldbörse, mit der verpflichtenden Co-Branding-Stufe im Jahr 2026 und Abschaltung für Händler, die sie nicht umsetzten. Wero übernahm iDEAL dafür.

Das ist derzeit die lehrreichste Zahlungsverkehrsgeschichte Europas, und die Lehre läuft der Intuition entgegen. Ein nationales Verfahren mit 70 Prozent Anteil und echter Kundentreue wird ersetzt, nicht weil es scheiterte, sondern weil es nur in einem Land funktionierte, und eine europäische Alternative zu den Kartennetzen braucht Reichweite. Deutschland steht auf der Empfängerseite desselben Projekts. Das behandelt Finance Loop unter Wero und Wero in Deutschland, den Hintergrund unter Echtzeitzahlungen in Europa.

Der Aktienhandel, der aus London kam

Als die Brexit-Übergangsfrist endete, untersagten EU-Regeln EU-Anlegern den Handel euro-denominierter Aktien an Londoner Plätzen, und dieses Geschäft musste wandern. Amsterdam nahm den größten Teil: Der Handel auf Euronext Amsterdam und bei den niederländischen Armen von CBOE und Turquoise sprang im Januar 2021 auf rund 9,2 Milliarden Euro pro Tag, mehr als das Vierfache des Dezemberwerts, und Amsterdam wurde Europas größter Aktienhandelsplatz mit etwa einem Fünftel der täglich gehandelten rund 40 Milliarden Euro.

Amsterdam gewann es, weil die operative Zentrale von Euronext dort sitzt, die Plätze und ihre Technik waren also schon in der Stadt. Das Geschäft blieb: Amsterdam gewann auch bei euro-denominierten Zinsswaps Boden, und der Vorstandschef von Euronext nennt die Verlagerung unumkehrbar.

Für Frankfurter Fachleute lohnt die genaue Einordnung, denn der Vergleich wird oft lose gezogen. Amsterdam nahm den Kassahandel in Aktien und einen Teil der Swaps. Frankfurt hat die Europäische Zentralbank, die größten deutschen Banken, die Deutsche Börse und den Derivatemarkt der Eurex, und dort wird die europäische Digital-Asset-Infrastruktur gebaut. Die beiden Städte nahmen verschiedene Stücke des Londoner Geschäfts. Die Frankfurter Seite behandelt Finance Loop unter Handel in Frankfurt und Kapitalmarkt Frankfurt.

MiCA aus den Niederlanden

Ein von De Nederlandsche Bank zugelassener Krypto-Dienstleister gilt über den Pass EU-weit wie jeder andere, und die DNB führt das Register darüber, wer was hält. Die niederländische Ausgangslage war ein Registrierungsregime für Krypto-Dienstleister vor MiCA, dort tätige Häuser hatten also mit einer Aufsicht zu diesen Fragen schon zu tun, und der Übergang war ein Regimewechsel und keine erste Begegnung.

Die Niederlande haben bei Antragstellern den Ruf, hart nach Governance und Geldwäschekontrollen zu fragen, und das ist ein Vorzug für ein Haus, dessen Zulassung einer Bank etwas bedeuten soll, und eine Last für ein Haus in Eile. Das Regime behandelt Finance Loop unter MiCA in Europa, die Zulassung unter CASP-Lizenz und die Plätze unter europäische Krypto-Börsen.

Was der Amsterdamer Fintech-Sektor tatsächlich tut

Vor allem Zahlungsverkehr, aus demselben Grund, der iDEAL hervorbrachte: Die Niederlande sind eine Handelsnation mit kleinem Heimatmarkt und Blick nach außen, ein niederländisches Zahlungshaus baut also von Anfang an für den grenzüberschreitenden Einsatz. Adyen ist das naheliegende Beispiel dafür, auch wenn der Sektor breiter ist als sein bekanntester Name.

Der zweite Schwerpunkt liegt in der Handelstechnik, die dem Handel folgte. Eine Stadt mit dem Betrieb von Euronext und den niederländischen Armen weiterer Plätze hat die Ingenieure für Marktinfrastruktur, und diese Leute stehen jedem zur Verfügung, der ein Handelssystem baut, auch für Digital Assets.

Was Amsterdam gegenüber Frankfurt fehlt, ist die Ballung von Banken und Vermögensverwaltern, die einen Markt für institutionelle Dienste schafft. Das europäische Bild behandelt Finance Loop unter Fintech in Europa und Zahlungsverkehr in Europa.

Wer beaufsichtigt Fintech in den Niederlanden?

Zwei Behörden, geteilt nach Funktion im Twin-Peaks-Modell. De Nederlandsche Bank beaufsichtigt prudenziell Banken, Versicherer und Häuser im Zahlungsverkehr und Clearing, erteilt Erlaubnisse und überwacht Eigenmittel. Die Autoriteit Financiële Markten beaufsichtigt das Verhalten: Markttransparenz, Behandlung der Kunden, Marktmissbrauch, Prospekte und Erlaubnisse für Finanz- und Wertpapierdienstleistungen sowie für die Verwaltung regulierter Fonds. Dasselbe Haus antwortet oft beiden, und die Behörden stimmen sich ab.

Was passiert mit iDEAL?

Es geht stufenweise in Wero auf, die europäische digitale Geldbörse, die es übernahm. Die Umbenennung zu iDEAL | Wero begann 2026 als erster Schritt, mit einer verpflichtenden Co-Branding-Stufe in diesem Jahr und Abschaltung für Händler, die sie nicht umsetzten. iDEAL trägt rund 70 Prozent der niederländischen Onlinezahlungen und wird von Currence betrieben, deren Mitglieder die großen niederländischen Banken sind, unter der Aufsicht von De Nederlandsche Bank. Der Übergang läuft in Stufen, iDEAL funktioniert währenddessen weiter.

Ist Amsterdam Europas größter Aktienhandelsplatz?

Im Kassahandel nahm es diese Stellung London ab, als die Brexit-Übergangsfrist endete, weil EU-Regeln EU-Anlegern den Handel euro-denominierter Aktien an Londoner Plätzen untersagten. Die Umsätze auf Euronext Amsterdam und bei den niederländischen Armen von CBOE und Turquoise stiegen im Januar 2021 auf rund 9,2 Milliarden Euro pro Tag, mehr als das Vierfache des Dezemberwerts, womit Amsterdam etwa ein Fünftel des europäischen Tagesumsatzes in Aktien hielt. Amsterdam gewann es, weil die operative Zentrale von Euronext dort sitzt. Derivate, Zentralbank und die größten Banken liegen weiter anderswo.

Gilt eine niederländische MiCA-Lizenz in Deutschland?

Ja. Ein von De Nederlandsche Bank zugelassener Krypto-Dienstleister zeigt die Mitgliedstaaten an, die er bedienen will, und arbeitet dort auf der niederländischen Zulassung, Deutschland eingeschlossen. Nationales Steuer- und Verbraucherrecht reist mit dem Pass nicht mit, wer nach Deutschland verkauft, hat dort also weiter mit deutschen Regeln zu tun. Die deutsche Seite behandelt Finance Loop unter MiCA in Deutschland.

Fintech in Amsterdam und Finance Loop

Finance Loop verbindet den niederländischen Zahlungs- und Handelsmarkt mit dem deutschen, und der Wero-Übergang ist der klarste Grund dafür: Dasselbe europäische Verfahren ersetzt in den Niederlanden iDEAL und startet in Deutschland, die Leute beider Projekte brauchen also die Erfahrung der jeweils anderen. Finance Loop ist in Frankfurt der Treffpunkt für den Bereich Payments & digitales Geld, zu dem niederländische Fachleute kommen, weil das Verfahren europäisch ist. Mitglieder bekommen die niederländische Migrationserfahrung, bevor die deutsche sie braucht.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk mit dem Ziel, die Einführung neuer Technologien in der Finanzbranche voranzubringen, etwa KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, digitale Infrastruktur & Souveränität sowie Risiko & Compliance.

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