BCBS 239: Grundsätze für Risikodatenaggregation und Risikoberichte

BCBS 239 ist der Standard des Basler Ausschusses dafür, wie Banken ihre Risikodaten erheben, zusammenführen und berichten. Er stellt eine einfache Frage mit teurer Antwort: Kann die Bank ihrer Leitung schnell und richtig sagen, wie viel Risiko sie trägt, auch in der Krise?

Warum es die Grundsätze gibt

Der Basler Ausschuss veröffentlichte die Grundsätze (auf Englisch) am 9. Januar 2013. Die Krise ab 2007 hatte gezeigt, dass viele große Banken ihre Risikopositionen nicht vollständig, schnell und genau zusammenführen und Konzentrationen erkennen konnten. Die Grundsätze richten sich an global systemrelevante Banken; nationale Aufseher können sie auf national systemrelevante Banken anwenden.

Risikodatenaggregation heißt, Risikodaten nach dem Berichtsbedarf der Bank zu definieren, zu erheben und zu verarbeiten, damit sie ihre Lage am Risikoappetit messen kann. Laut Wikipedia (auf Englisch) mussten die bis November 2012 benannten global systemrelevanten Banken ab 1. Januar 2016 die Grundsätze erfüllen.

Die 14 Grundsätze in vier Gruppen

Der Standard hat 14 Grundsätze. Zwei betreffen Governance und Infrastruktur: Leitung und Management verantworten den Datenrahmen, Datenarchitektur und IT müssen die Aggregation im Normalfall und unter Stress tragen. Vier betreffen die Aggregation: Genauigkeit und Integrität, Vollständigkeit, Aktualität und Anpassungsfähigkeit. Fünf betreffen die Berichte: Genauigkeit, Umfang, Klarheit und Nutzen, Häufigkeit und Verteilung. Drei richten sich an die Aufsicht, zu Überprüfung, Abhilfe und Zusammenarbeit.

Die Grundsätze schreiben keine Technik vor. Sie beschreiben Ergebnisse, deshalb können zwei Banken mit sehr verschiedenen Architekturen konform sein, solange jede das Ergebnis zeigen kann, wenn die Aufsicht prüft.

Der EZB-Leitfaden und die deutsche Aufsicht

Die EZB konsultierte von Juli bis Oktober 2023 einen Leitfaden zu Risikodatenaggregation und Risikoberichterstattung (auf Englisch). Er nennt sieben Felder: Verantwortung des Leitungsorgans, Reichweite des Data-Governance-Rahmens, Rollen in der Data Governance, eine gruppenweite Datenarchitektur, wirksame Datenqualitätskontrollen, zeitnahe interne Risikoberichte und Umsetzungsprogramme. Angemessene Fähigkeiten seien noch die Ausnahme, schrieb die EZB, nachdem eine Prüfung von 25 bedeutenden Banken 2016 ernste Schwächen gezeigt hatte.

Deloitte (auf Englisch) berichtet von schwerwiegenden Prüfungsfeststellungen und zählt das Thema zu den Aufsichtsprioritäten der EZB. Für Banken unter BaFin-Aufsicht verlangen die MaRisk in AT 7.2 wirksame Prozesse für die Datenqualität der wesentlichen Risikoarten und in AT 4.4.1 uneingeschränkten Zugang des Risikocontrollings zu allen nötigen Risikodaten.

Kommende Events zu Risk und Compliance

Was sind die 14 Grundsätze von BCBS 239?

Governance (1) sowie Datenarchitektur und IT-Infrastruktur (2); Genauigkeit und Integrität (3), Vollständigkeit (4), Aktualität (5) und Anpassungsfähigkeit (6) der Aggregation; Genauigkeit (7), Umfang (8), Klarheit und Nutzen (9), Häufigkeit (10) und Verteilung (11) der Berichte; Überprüfung (12), Abhilfemaßnahmen (13) und Zusammenarbeit der Aufseher (14).

Gilt BCBS 239 für kleinere Banken in Deutschland?

Nicht direkt. Die Grundsätze zielen auf systemrelevante Banken, und die EZB wendet ihren Leitfaden auf die bedeutenden Institute unter ihrer Aufsicht an. Kleinere deutsche Banken treffen dieselben Fragen in leichterer Form über die MaRisk, deren Regeln zu Datenqualität und Risikoberichten für jedes Institut gelten.

Was ist Data Lineage bei BCBS 239?

Lineage ist der dokumentierte Weg einer Zahl vom Quellsystem über jede Umformung bis in den Risikobericht. Ohne sie kann eine Bank nicht zeigen, dass eine Zahl genau und vollständig ist, deshalb fragen Prüfer danach. Hier müssen Data Engineering und Risikomanagement am selben Modell arbeiten.

BCBS 239 und Finance Loop

Finance Loop verbindet die Finance-, IT- und KI-Communitys, und bei BCBS 239 müssen sich Risikomanager und Data Engineers auf ein Datenmodell einigen. Finance Loop hat das Frankfurt Quantum Finance Forum an der Frankfurt School mit Bundesbank und IBM mitorganisiert, mit Risikomodellen auf der Agenda, und hält Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg ab.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.

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