Friendly Fraud: wenn Karteninhaber einen echten Kauf bestreiten

Friendly Fraud ist eine Rückbelastung, die der Karteninhaber für einen eigenen Kauf veranlasst. Kartensysteme und Banken sprechen auch von First-Party Fraud. Für einen Onlinehändler sieht der Fall aus wie Betrug mit gestohlenen Kartendaten. Seit April 2023 kann er bei Visa mit Geräte- und IP-Daten früherer Bestellungen antworten. Termine zu Payments und Betrug stehen im Kalender weiter unten.

First-Party und Third-Party Fraud

Beim Third-Party Fraud zahlt ein Krimineller mit fremden Kartendaten. Beim First-Party Fraud hat der Karteninhaber die Ware gekauft und erklärt der Bank danach, die Zahlung stamme nicht von ihm oder es sei nichts angekommen. Manche Reklamationen sind gutgläubig, etwa wenn jemand den Kauf vergessen hat (auf Englisch), andere sind Absicht. Beim Eingang kann die Bank beides nicht unterscheiden.

Nach den Visa Core Rules (auf Englisch) läuft ein solcher Fall unter dem Dispute-Code 10.4, "Other Fraud: Card-Absent Environment": Der Karteninhaber bestreitet, eine Online- oder Telefonzahlung autorisiert zu haben. Die Bank muss den Betrug vorher an Visa melden und hat 120 Kalendertage ab Verarbeitung Zeit.

Compelling Evidence 3.0: Geräte- und IP-Daten entscheiden

Visa hat die Regeln dafür mit Compelling Evidence 3.0 geändert. Sie gelten für Pre-Arbitration-Fälle, die ab dem 15. April 2023 bearbeitet werden. Laut FAQ von Verifi zur Regel (auf Englisch) kann der Händler auf einen 10.4-Fall mit zwei früheren Transaktionen desselben Karteninhabers antworten, die nicht als Betrug gemeldet wurden und 120 bis 365 Tage alt sind. Mindestens zwei Datenelemente müssen übereinstimmen: Kundenkonto oder Login-ID, Lieferadresse, Geräte-ID oder Device Fingerprint und IP-Adresse. Eines davon muss Geräte-ID oder IP-Adresse sein.

Hält der Nachweis, geht die Haftung vom Händler weg, und der Fall zählt nicht gegen seine Betrugsquote. Nutzen kann die Regel nur, wer Geräte-ID und IP-Adresse zu jeder Bestellung speichert und über den Zahlungsdienstleister weitergibt.

Friendly Fraud bei Kartenzahlungen in Europa

Der Bericht 2025 von EBA und EZB zum Zahlungsbetrug (auf Englisch) beziffert den Betrug mit Karten aus EU und EWR für 2024 auf 1,3 Milliarden Euro, rund 83 Prozent davon bei Fernzahlungen. Die Zahlungsdienstnutzer trugen 38 Prozent der Verluste, die Zahlungsdienstleister den Rest.

Die Authentifizierung verschiebt den Schaden. Bei einer mit 3-D Secure authentifizierten Kartenzahlung geht die Betrugshaftung auf die kartenausgebende Bank über, wie die Seite zur starken Kundenauthentifizierung erklärt. Die Seite zum Kreditkartenbetrug behandelt die Third-Party-Seite desselben Kanals.

Kommende Events zu Payments und Betrug in Deutschland

Was unterscheidet Friendly Fraud von Chargeback-Betrug?

Meist meinen beide Begriffe dasselbe: eine Rückbelastung durch den Karteninhaber, der selbst gekauft hat, aus Versehen oder mit Absicht. Wikipedia führt Chargeback Fraud als anderen Namen für Friendly Fraud. Das Gegenstück ist Third-Party Fraud mit gestohlenen Kartendaten.

Wie wehrt sich ein Händler gegen Friendly Fraud?

Mit Bestelldaten. Nach Compelling Evidence 3.0 beantwortet der Händler einen 10.4-Fall mit früheren, unbestrittenen Bestellungen, die Geräte-ID oder IP-Adresse und ein weiteres Datenelement teilen. Mit 3-D Secure geht die Betrugshaftung auf die kartenausgebende Bank über. Stripe rät in seinem Leitfaden zu Kartentests, verdächtige Zahlungen vor einer Rückbelastung zu erstatten.

Friendly Fraud und Finance Loop

Finance Loop ist der Treffpunkt für Payments- und Risikoteams bei Kartenbanken, Acquirern und Händlern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Finance Loop kündigte die KI Exchange 2026 in Hamburg an, eine Konferenz von Payment & Banking zu KI im Banking mit Betrugserkennung im Programm.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.

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