Deutsche Finanzbranche sieht weitgehend keinen Bedarf für einen digitalen Euro

Veröffentlicht am 25. Dezember 2025.

Deutsche Finanzbranche sieht weitgehend keinen Bedarf für einen digitalen Euro

Das Center for Financial Studies (CFS), ein unabhängiges Forschungsinstitut am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt, hat eine Studie veröffentlicht, für die es Fachleute und Führungskräfte des deutschen Finanzsektors befragt hat. Die Fragen: Braucht es einen digitalen Euro, wie gut würden Kunden ihn annehmen und was würde er für die Ertragslage der Institute bedeuten? Die Ergebnisse zeigen die Sicht der Branche, während das Gesetzgebungsverfahren zum digitalen Euro auf die Zielgerade geht. Finanziell unterstützt wurde das Projekt von Frankfurt Main Finance, der Stimme des Finanzplatzes Frankfurt.

Hintergrund: Am 30. Oktober hat die Europäische Zentralbank angekündigt, dass die Vorbereitungen für die Einführung eines digitalen Euro in die nächste Phase gehen (Details in der EZB-Pressemitteilung). Die Vorbereitungen sind schon so weit, dass die EU-Verordnung (ein Entwurf liegt seit 2023 vor) voraussichtlich bereits 2026 steht. Dafür müssen nur der Europäische Rat und das Europäische Parlament zustimmen, die nationalen Parlamente werden nicht gefragt. Gleichzeitig werden kritische Stimmen aus der Finanzbranche und Teilen der Politik lauter.

CFS-Umfrage: „Brauchen wir einen digitalen Euro?“

Die Ergebnisse: Mehr als 60 % (62,3 %) der befragten Fachleute und Führungskräfte aus der Finanzbranche halten einen digitalen Euro für unnötig, weil es schon genug Zahlungsmittel gibt. Knapp 33 % sehen dagegen Bedarf.

Ähnlich sieht es bei der erwarteten Akzeptanz unter Privatkunden aus. Auch hier rechnen rund 67 % der Befragten mit geringer oder sehr geringer Akzeptanz, weil es bereits viele etablierte digitale Zahlungsmittel gibt.

„Die Umfrage verdeutlicht, dass die Finanzindustrie dem digitalen Euro in seiner gegenwärtig angedachten Form skeptisch gegenübersteht. Die meisten gehen von einer niedrigen Akzeptanz bei den Kunden aus“, sagt Professor Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies.

Beim heiklen Thema Datenschutz sind die Befragten geteilter Meinung. Knapp die Hälfte (49,6 %) hält das Risiko eines unzureichenden Datenschutzes für hoch oder sehr hoch, 45,1 % stufen es als gering oder sehr gering ein. Eindeutiger ist das Bild bei Hackerangriffen auf digitale Bargeldbestände: Fast 70 % halten dieses Risiko für hoch oder sehr hoch.

„Das Thema Cyber Security ist bei digitalem Zentralbankgeld ein besonders kritisches Thema. Auch wenn es 100%ige Sicherheit nie geben wird, muss die EZB hier bessere Antworten liefern als bislang“, so Brühl weiter.

Wie sich ein digitaler Euro auf die Erträge der Banken auswirkt, ist umstritten. Einerseits sollen Banken für bestimmte Leistungen vergütet werden. Andererseits sollen Basisleistungen wie Ein- und Auszahlungen kostenlos sein. Dazu kommen Kosten für die Anbindung an die bestehenden IT-Systeme und mögliche Einnahmeausfälle im Zahlungsverkehr.

Entsprechend bewerten mehr als 65 % der Befragten die Folgen für den Bankensektor als negativ oder sehr negativ.

„Der Markt für Digitale Assets wächst rapide. Technologie, Marktinfrastruktur und Regulierung sind etabliert, use cases vorhanden und getestet. 2026 dürfte das Jahr des Durchbruchs werden“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance. „Inwieweit der Digitale Euro dabei eine maßgebliche Rolle spielen wird, wird entscheidend durch die Frage beeinflusst werden, ob sich der Fokus der EZB von der Retail- auf die Wholesale-Nutzung verlagern wird. Die Entscheidung des EZB Rates für die Ausgabe des digitalen Euro wird für das 2. Quartal 2026 erwartet. Die Kosten werden zwischen 6 und 18 Mrd. Euro kalkuliert. Es wäre wichtig, den ökonomischen Nutzen hinter diesen Kosten in den Blickpunkt zu rücken.“

Diskutieren Sie mit

Das Center for Financial Studies stellt die Ergebnisse in einer Online-Veranstaltung zur Diskussion. Termin: 7. Januar 2026, 11:00 Uhr MEZ, auf Deutsch.

Anmeldung: https://gfk-cfs.de/en/events/event-archive/2026/brauchen-wir-einen-digitalen-euro/

PS: Am 15. Januar 2026 veranstaltet die Europäische Zentralbank (Team Digitaler Euro) eine Online-Veranstaltung zum digitalen Euro, zu der Sie sich anmelden können.

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