EZB: Pontes und Appia

Pontes ist der Dienst des Eurosystems, der Geschäfte auf DLT-Plattformen des Marktes in Euro-Zentralbankgeld abwickelt. Er verbindet diese Plattformen mit T2, dem TARGET-System für Großbetragszahlungen zwischen Banken. Der erste Start war am 21. September 2026. Appia ist der langfristige Strang und fragt, wie ein tokenisierter Großkundenmarkt in Europa gebaut sein soll. Termine stehen im Kalender unten.

Die Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, fotografiert 2014
Foto: Fred Romero, CC BY 2.0 (Verkleinert und in WebP umgewandelt)

Warum ein tokenisiertes Geschäft Zentralbankgeld braucht

Eine tokenisierte Anleihe wechselt auf einer DLT-Plattform in Sekunden den Besitzer, aber das Geld dafür muss auch fließen. Große Euro-Zahlungen wickeln Banken untereinander in Zentralbankgeld in T2 ab, dem Echtzeit-Bruttosystem des Eurosystems. Ohne Verbindung zwischen Register und T2 bleiben einer DLT-Plattform zwei Wege: ein Geld-Token eines privaten Emittenten, etwa ein E-Geld-Token, oder eine Geldseite außerhalb des Registers, mit dem zeitlichen Risiko, das dazugehört.

Das Eurosystem hat diese Verbindung 2024 getestet. Von Mai bis November liefen mit 64 Marktteilnehmern mehr als fünfzig Tests und Experimente mit drei Lösungen der Zentralbanken: Trigger der Bundesbank, TIPS Hash-Link der Banca d'Italia und DL3S der Banque de France. Die Seite zu Wholesale-CBDC beschreibt die drei und den Weg zu Pontes.

Wie Pontes ein Geschäft abwickelt

Laut der Beschreibung der EZB (auf Englisch) fasst Pontes die drei zuvor getesteten Lösungen zusammen. Die Abwicklung läuft zweigleisig: Teilnehmer zahlen entweder mit Geld-Token auf der DLT-Plattform des Eurosystems oder direkt in T2, und die Geldseite ist final, sobald das passende Geschäft in T2 gebucht ist. Ein Verfahren auf Basis des Hash-Link-Protokolls verbindet Register und T2, sodass Lieferung gegen Zahlung und andere Alles-oder-nichts-Geschäfte ganz oder gar nicht abgewickelt werden.

Der EZB-Rat hat die Vereinbarung für den ersten Start am 11. August 2026 genehmigt, mit Bedingungen für Teilnehmer und für Betreiber von DLT-Plattformen. Laut Beschlussübersicht der EZB (auf Englisch) ist das ein verbindlicher Rechtsrahmen für ein produktives System, der zugleich den vorläufigen Charakter dieser Phase abbildet. Weitere Funktionen folgen schrittweise.

Wer Pontes nutzen kann

Teilnehmer kann jede Stelle mit Zugang zu T2 sein. Als Betreiber von DLT-Plattformen kommen in Frage: Zentralverwahrer nach der CSD-Verordnung, Betreiber eines DLT-Abwicklungssystems oder eines DLT-Handels- und Abwicklungssystems nach dem DLT Pilot Regime, überwachte Zahlungssysteme in EU oder EWR, nach EMIR zugelassene zentrale Gegenparteien sowie Kreditinstitute und andere lizenzierte Firmen nach Einzelprüfung durch ihre Zentralbank. In Deutschland ist das die Deutsche Bundesbank.

Für einen Frankfurter Handelsplatz wie 21X, der eine Erlaubnis als DLT-Handels- und Abwicklungssystem hat und gegen E-Geld-Token abwickelt, ist Pontes ein zweiter Weg für die Geldseite. Für eine Bank ist die offene Frage, welche Plattformen sie über Pontes erreichen will.

Appia: der langfristige Strang

Das Eurosystem hat am 11. März 2026 die Appia-Roadmap (auf Englisch) veröffentlicht. Appia ist eine strategische Initiative für ein europäisches tokenisiertes Finanzsystem, in dem Zentralbankgeld im Mittelpunkt bleibt. Sie wägt ein einziges gemeinsames Netz gegen mehrere verbundene Netze ab, zielt auf gemeinsame Standards und europäische Governance und soll 2028 mit einem Blueprint enden. Zur Roadmap gehörte ein Fragebogen für den Markt.

Die Wahl zwischen einem gemeinsamen Register und mehreren verbundenen ist dieselbe Frage, die die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit Geschäftsbanken in Project Agora testet.

Kommende Events zu digitalem Geld und Abwicklung in Deutschland

Finance Loop und Pontes

Beim Frankfurt Forum on Digital Assets & Applications wurde Pontes als einer der Rahmen genannt, die DLT-basierte Zahlungen möglich machen. Ein Panel mit Deutscher Bundesbank, Deutscher Bank, Commerzbank, DZ Bank und AllUnity diskutierte, welche Geldform DLT-Märkte abwickeln soll. Finance Loop ist strategischer Partner der Digital Euro Association und Partner ihrer Digital Euro Conference in Frankfurt, die neben dem digitalen Euro auch Wholesale-CBDC behandelt.

Was ist Pontes?

Pontes ist der DLT-Abwicklungsdienst des Eurosystems. Er verbindet DLT-Plattformen des Marktes mit T2, damit Geschäfte darauf in Euro-Zentralbankgeld abgewickelt werden. Der erste Start war am 21. September 2026.

Was unterscheidet Pontes und Appia?

Pontes ist ein laufender Dienst, der bestehende DLT-Plattformen mit den TARGET-Diensten verbindet. Appia ist ein Planungsstrang bis zu einem Blueprint 2028 und fragt, wie ein tokenisierter Großkundenmarkt in Europa organisiert sein soll.

Ist Pontes der digitale Euro?

Nein. Der digitale Euro ist als Zentralbankwährung für Bürger und Händler geplant. Pontes wickelt Großkundengeschäfte zwischen Finanzfirmen gegen das Zentralbankgeld ab, das Banken schon in T2 halten. Die Seite zum digitalen Euro in Deutschland behandelt das Retail-Projekt.

Braucht eine DLT-Plattform für Pontes eine Erlaubnis nach dem DLT Pilot Regime?

Nicht jede. DLT-Abwicklungssysteme und DLT-Handels- und Abwicklungssysteme brauchen sie. Zentralverwahrer, überwachte Zahlungssysteme, zentrale Gegenparteien und beaufsichtigte Kreditinstitute binden sich mit ihrer eigenen Zulassung an, Letztere nach Einzelprüfung.

Pontes und Finance Loop

Finance Loop behandelt Pontes und Appia im Themenfeld Payments & Digital Money, zusammen mit Wholesale-CBDC, tokenisierten Einlagen und dem digitalen Euro. Finance Loop bringt Fachleute von Banken, Zentralbanken, Marktinfrastrukturen und DLT-Handelsplätzen bei Events in Frankfurt, dem Sitz von EZB und Bundesbank, sowie in München, Berlin und Hamburg zusammen.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk mit dem Ziel, die Adoption neuer Technologien im Finanzwesen voranzutreiben, etwa KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, in vier Themenfeldern Know-how und persönliche Netzwerke aufzubauen: Investment & Digital Assets, Payments & Digital Money, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.

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