Finanzmarktinfrastrukturen
Finanzmarktinfrastrukturen sind Systeme und Einrichtungen, über die Zahlungen und Wertpapiergeschäfte verrechnet, abgewickelt und erfasst werden. Zur Finanzinfrastruktur im weiteren Sinne gehören auch Kreditauskunftssysteme und die Technik innerhalb einer Bank. Gemeinsame Regeln legen fest, wie Teilnehmer Geschäfte ausführen und deren Abschluss nachweisen.
Eine hilfreiche Unterscheidung trennt die gemeinsame Marktinfrastruktur von der bankinternen Technik. Ein Zahlungssystem verbindet Institute; das Kernbankensystem führt die Kundenkonten einer einzelnen Bank. Netzwerke, Rechenzentren und Software verbinden diese Ebenen, erfüllen aber jeweils andere Aufgaben.
Vom Zahlungsauftrag zur Abwicklung
Für ein Unternehmen, das eine Rechnung bezahlt, oder einen Anleger beim Wertpapierkauf zählt das Ergebnis: Der richtige Betrag erreicht das richtige Konto, Vermögenswerte wechseln wie vereinbart den Besitzer und das Geschäft lässt sich nachprüfen. Finanzmarktinfrastrukturen schaffen die Abläufe hinter diesen Vorgängen.
Eine Zahlung beginnt mit einem Auftrag. Die Bank prüft das Konto, erstellt die Nachricht und leitet die Zahlung über einen vereinbarten Weg weiter. Das empfangende Institut benötigt anschließend eine Bestätigung, bevor es den Betrag gutschreiben kann. Dieser Ablauf verbindet die Kundenschnittstelle mit der Verarbeitung zwischen Banken; eine Erfolgsmeldung in der Banking-App ist nur ein Teil davon.
Clearing und Settlement bezeichnen verschiedene Arbeitsschritte. Beim Clearing werden die Verpflichtungen der Teilnehmer ermittelt und gegebenenfalls zu Nettobeträgen zusammengefasst. Settlement schließt die Übertragung von Geld oder Vermögenswerten ab. Eine Nachricht übermittelt Informationen; allein durch die Nachricht wechselt das zur Erfüllung verwendete Geld noch nicht den Besitzer. Zahlungssysteme, Zentralverwahrer und zentrale Gegenparteien gehören zu den Finanzmarktinfrastrukturen, die den Handel und Zahlungsverkehr unterstützen.
Kreditauskünfte gehören zur Finanzinfrastruktur im weiteren Sinne. Angaben über bestehende Kredite und bisherige Rückzahlungen unterstützen die Prüfung eines Kreditantrags. Zahlungsabwicklung und Kreditinformation beantworten unterschiedliche Fragen. Eine schnellere Überweisung verbessert daher nicht automatisch die Datengrundlage für eine Kreditentscheidung.
Die Systeme hinter Wertpapiergeschäften
Beim Wertpapierkauf entstehen Pflichten für beide Seiten: Der Verkäufer liefert das Wertpapier, der Käufer zahlt. Eine zentrale Gegenpartei kann zwischen die Handelspartner treten und ihre Ausfallrisiken steuern. Ein Zentralverwahrer verwahrt Wertpapiere und unterstützt deren Übertragung. Transaktionsregister erfassen Geschäftsdaten für Meldungen und Überwachung. Diese Aufgaben unterscheiden sich vom Handelsplatz, an dem ein Preis vereinbart wird.
Die internationalen Prinzipien für Finanzmarktinfrastrukturen, kurz PFMI, erfassen Zahlungssysteme, Zentralverwahrer, Wertpapierabwicklungssysteme, zentrale Gegenparteien und Transaktionsregister. In Deutschland gehören Eurex Clearing und Clearstream zur Nachhandelsinfrastruktur. Beide können dasselbe Geschäft unterstützen, übernehmen dabei jedoch unterschiedliche Aufgaben.
Die TARGET-Dienste in Europa
Das Eurosystem betreibt mehrere Dienste für verschiedene Finanzströme. T2 wickelt Zahlungen ab, T2S Wertpapiergeschäfte, TIPS Echtzeitüberweisungen und ECMS verwaltet Sicherheiten für Kreditgeschäfte des Eurosystems. Die TARGET-Dienste verwenden Zentralbankgeld für die Abwicklung. TIPS ermöglicht Echtzeitüberweisungen rund um die Uhr; die anderen Dienste haben deshalb nicht automatisch dieselben Betriebszeiten.
Diese Dienste verbinden Institute in Europa. Ein Wertpapiergeschäft kann eine Wertpapier- und eine Geldübertragung erfordern. Sicherheiten unterstützen den Zugang zu Zentralbankkrediten. Eine angeschlossene Bank muss die externen Abwicklungsdaten mit ihren internen Büchern abstimmen. Die gemeinsame Abwicklungsinfrastruktur ersetzt nicht die Software zur Führung der Kundenkonten.
Kernbankensystem und Cloud
Ein Kernbankensystem führt Konten, Einlagen, Kredite und Buchungen innerhalb einer Bank. Zahlungsschnittstellen senden Aufträge nach außen und empfangen Bestätigungen. Die Abstimmung gleicht externe Aufzeichnungen mit dem internen Hauptbuch ab. Eine Bank kann deshalb ihre Kontenplattform modernisieren und weiterhin etablierte Zahlungs- und Abwicklungsnetze nutzen.
Auch der Betrieb der Technik erfordert eigene Entscheidungen. Eine Bank kann Anwendungen im eigenen Rechenzentrum betreiben oder Cloud-Dienste beziehen. Datenzugriff, Kontrolle über den Betrieb und die Übertragbarkeit von Anwendungen müssen getrennt vom Zahlungsweg geprüft werden. Souveräne Cloud, KI-Infrastruktur und Kernbankenmodernisierung haben daher jeweils eigene technische Fragen. Keines dieser Themen beschreibt allein die gesamte Finanzinfrastruktur.
Neue Technik mit bestehenden Systemen verbinden
Neue Infrastruktur muss mit vorhandenen Konten, Nachrichten und Kontrollen zusammenarbeiten. Auch ein tokenisiertes Wertpapier benötigt einen vereinbarten Zahlungsweg, die Abstimmung der Bestände und Verfahren für Ausnahmefälle. Die Pontes-Lösung des Eurosystems verbindet Markt-DLT-Plattformen mit TARGET-Diensten für die Abwicklung in Zentralbankgeld. Diese Verbindung verknüpft technische Umgebungen; ein verteiltes Register ersetzt nicht von selbst sämtliche Schritte der Wertpapierverarbeitung.
Bei einem Infrastrukturprojekt beginnen die praktischen Fragen mit dem Geschäft: Welcher Datensatz bestätigt den Abschluss, wer klärt Abweichungen und was geschieht beim Ausfall eines Teilnehmers oder einer Verbindung? Ein Test des ganzen Transaktionswegs liefert andere Erkenntnisse als der Test einer einzelnen Anwendung. Wiederanlaufverfahren müssen auch bereits gesendete Nachrichten und Geschäfte berücksichtigen, die vor einer Unterbrechung abgeschlossen wurden.
Teilnehmer und Systeme hängen voneinander ab. Eine Verzögerung an einer Stelle kann die verfügbaren Mittel an anderer Stelle beeinflussen, obwohl dort die Anwendung läuft. Verbindungen zwischen Finanzmarktinfrastrukturen und ihren Teilnehmern gehören deshalb ebenso in die Betriebsplanung wie die Verfügbarkeit einzelner Dienste.
Finanzmarktinfrastrukturen und Finance Loop
Finance Loop verbindet Fachleute aus Banktechnik, Zahlungsverkehr und digitalen Vermögenswerten. Finanzmarktinfrastrukturen führen diese Bereiche zusammen: Entwickler benötigen Wissen über die Abwicklung, Zahlungsteams verlässliche IT und Projekte für digitale Vermögenswerte Verbindungen zwischen neuen Registern und bestehenden Finanzsystemen.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk mit dem Ziel, die Einführung neuer Technologien im Finanzwesen voranzubringen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Wissen und persönliche Netzwerke in Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität sowie Risk & Compliance aufzubauen.