Geschichte Finanzplatz Frankfurt
Die Geschichte des Finanzplatzes Frankfurt beschreibt die Entwicklung einer Handelsstadt zu einem Standort für Banken und internationale Kapitalmärkte. Kaufleute mussten Geld wechseln und ihre Geschäfte finanzieren. Daraus entstanden Bankgeschäfte und Märkte für Wertpapiere.
Zum Finanzplatz Frankfurt gehören unterschiedliche Einrichtungen mit eigenen Zuständigkeiten. Das Bankenviertel und die Skyline machen die Finanzwirtschaft im Stadtbild sichtbar. Die Geschichte des Finanzplatzes begann allerdings mehrere Jahrhunderte vor dem Bau dieser Hochhäuser.
Handel, Institutionen und Stadtentwicklung
Politische Entscheidungen, Veränderungen der Währungssysteme und der Wiederaufbau nach dem Krieg erweiterten die Aufgaben der Stadt. Geschäftsbanken betreuen Unternehmen und Anleger, Börsen organisieren den Handel, und Zentralbanken erfüllen geldpolitische Aufgaben.
Frankfurts Entwicklung umfasst Wachstum und schwere Einschnitte. Die mittelalterlichen Messen, Privatbankhäuser und Zentralbanken der Nachkriegszeit gehören zu unterschiedlichen Kapiteln. Europäische Institutionen gaben der Stadt später Aufgaben, die über Deutschland hinausreichen.
Messen und Fernhandel im Mittelalter
Die Frankfurter Messen brachten Kaufleute zusammen, die Waren verkauften und grenzüberschreitend Zahlungen abwickelten. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1150; am 11. Juli 1240 gewährte Kaiser Friedrich II. den Besuchern der Herbstmesse Schutz. Regelmäßige Märkte und geschützte Reisen erleichterten wiederkehrende Handelsbeziehungen. Die Kaufleute brachten unterschiedliche Münzen mit, deren Wert für jede Zahlung bestimmt werden musste. Der Geldwechsel gehörte deshalb zu den Geschäften rund um den Verkauf von Tuchen und anderen Waren.
Die Gründung der Frankfurter Börse
Die Frankfurter Börse entstand aus einem konkreten Zahlungsproblem. Am 9. September 1585 vereinbarten Kaufleute einheitliche Wechselkurse (auf Englisch). Die Vereinbarung erleichterte die Berechnung von Geschäften auf einem Markt mit zahlreichen Währungen. Der Handel mit Geld und Wechseln ging dem bekannten Aktienmarkt voraus. Der Ursprung der Börse liegt damit im Warenhandel und in der Abwicklung von Zahlungen. Diese Erfahrung mit internationalen Geschäften ist wesentlich älter als die Bankgebäude und Hochhäuser, die heute das Stadtbild prägen.
Privatbankiers und die Finanzierung von Staaten
Frankfurter Privatbankhäuser entwickelten sich aus Handelsunternehmen. Benjamin Metzler gründete 1674 eine Tuchhandlung; Kredit- und Wechselgeschäfte gewannen später an Gewicht. Bethmann und Rothschild organisierten Finanzierungen für europäische Herrscher. Die von Bethmann vermittelte Staatsanleihe von 1779 wurde in einzelne Wertpapiere aufgeteilt (auf Englisch), die Anleger erwerben konnten. So ließ sich Kapital mehrerer Geldgeber für eine größere Finanzierung zusammenführen. Die Industrialisierung schuf einen weiteren Bedarf an Finanzierungen für Infrastruktur. Bethmann und Rothschild beteiligten sich an einer Aktienemission für die Taunus-Eisenbahn im Jahr 1837 (auf Englisch).
Berlin, Verfolgung und Zweiter Weltkrieg
Die Stellung Frankfurts veränderte sich, als Berlin Hauptstadt des Deutschen Reichs und ein größerer Wertpapiermarkt wurde. Frankfurt behielt internationale Geschäftsbeziehungen. Mit der nationalsozialistischen Herrschaft wurden Handel und Börsenaufsicht ab 1933 staatlich eingeschränkt (auf Englisch). Jüdische Familien erlitten Verfolgung und Enteignung, darunter die Familie Goldschmidt-Rothschild. Diese Verbrechen gehören zur Geschichte des Finanzplatzes ebenso wie seine wirtschaftliche Entwicklung. Der Krieg beschädigte anschließend die Stadt und das Börsengebäude. Im September 1945 wurde der Börsenhandel wieder aufgenommen. Der wirtschaftliche Wiederaufbau fand unter grundlegend veränderten politischen Bedingungen statt.
Bank deutscher Länder und Deutsche Bundesbank
Nach dem Krieg erhielt Frankfurt neue Aufgaben im Geldwesen. Die 1948 gegründete Bank deutscher Länder koordinierte das neue Währungssystem. Das Bundesbankgesetz vom 26. Juli 1957 trat am 1. August 1957 in Kraft. Die Deutsche Bundesbank ersetzte die vorherige Zentralbankstruktur. Geldpolitik und Bankgeschäft waren nun am selben Standort vertreten, hatten aber unterschiedliche Zuständigkeiten. Die Ausweitung der Geschäfte deutscher und ausländischer Banken nach dem Krieg (auf Englisch) gehörte zum Aufbau des modernen Finanzplatzes. Geschäftsbanken finanzierten Unternehmen und betreuten Kunden; die Zentralbank war für die Währung und ihre geldpolitischen Aufgaben verantwortlich.
Bankenviertel und Hochhausplanung
Das Frankfurter Bankenviertel entwickelte sich zusammen mit dem Finanzplatz der Nachkriegszeit. Bürogebäude entstanden in einer Stadt, die gleichzeitig Wohnraum und Verkehrsanbindungen benötigte. Die Hochhausplanung nach dem Zweiten Weltkrieg führte von einzelnen Hochpunkten und Achsen zu Hochhausgruppen. Eine Studie aus dem Jahr 1998 wurde 2000 als Hochhausentwicklungsplan beschlossen. Die Skyline entstand damit aus städtebaulichen Entscheidungen und der Nachfrage nach Büroflächen. Der Hochhausentwicklungsplan 2024 behandelt unterschiedliche Nutzungen und den öffentlichen Raum. Auch die Verbindung neuer Türme mit den umliegenden Quartieren gehört zur Planung.
Die EZB und die Einführung des Euro
Mit der Europäischen Zentralbank erhielt Frankfurt eine europäische geldpolitische Institution zusätzlich zur nationalen Zentralbank. Die EZB wurde am 1. Juni 1998 gegründet und löste das Europäische Währungsinstitut ab. Der Euro wurde am 1. Januar 1999 für Konten und unbare Zahlungen eingeführt. Banknoten und Münzen folgten am 1. Januar 2002. In Frankfurt werden seither geldpolitische Entscheidungen für den Euroraum getroffen. Die Bundesbank blieb als nationale Zentralbank Teil des Eurosystems. Geschäftsbanken erledigen weiterhin ihre eigenen Aufgaben bei Krediten und Einlagen; die gemeinsame Währung änderte die Zuständigkeit für die Geldpolitik.
Vom Börsenparkett zu elektronischen Märkten
Der Finanzplatz veränderte sich auch durch neue Technik. Die computergestützte Bearbeitung von Börsengeschäften begann 1969; Xetra startete am 28. November 1997 (auf Englisch). Elektronische Märkte ermöglichten den Handel, ohne dass alle Beteiligten gemeinsam auf einem Börsenparkett stehen mussten. Die technische Verfügbarkeit und Regeln für die Ausführung von Aufträgen wurden zu täglichen Anforderungen. Nach dem Abschluss eines Geschäfts müssen Geld und Wertpapiere übertragen werden. Die Tätigkeiten der Deutsche Börse Group verbinden diese Kapitalmarktgeschichte mit der heutigen Finanzinfrastruktur. Der sichtbare Handelsabschluss ist dabei ein Teil der gesamten Abwicklung zwischen den beteiligten Institutionen.
Brexit und europäische Bankgeschäfte
Der Brexit veränderte die rechtlichen Möglichkeiten britischer Banken, Kunden in der Europäischen Union zu bedienen. Seit dem 1. Januar 2021 können Banken mit Sitz im Vereinigten Königreich keine EU-Passrechte mehr nutzen (auf Englisch). Bankengruppen verlagerten Geschäfte in den Euroraum. Die Aufsicht verlangt lokale Kontrolle und ein geeignetes Risikomanagement für die dort gebuchten Geschäfte. Frankfurt ist neben anderen Städten Teil dieses europäischen Bankensystems. Der Brexit schuf einen zusätzlichen regulatorischen Anlass für Bankgesellschaften innerhalb der EU. Die Veränderungen betreffen deshalb den Geschäftsbetrieb und Verantwortlichkeiten, nicht allein die Zahl von Büros oder die Größe einzelner Gebäude.
Institutionen und Finanzplatzpolitik heute
Die Geschichte Frankfurts setzt sich durch europäische Institutionen und die Politik für den Finanzstandort fort. Am 22. Februar 2024 einigten sich Europäisches Parlament und Rat auf Frankfurt als Sitz der AMLA. Die EU-Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche ergänzt die Aufsichtsaufgaben am Standort. AMLA Frankfurt gehört damit zu einem weiteren Kapitel der institutionellen Entwicklung. Das Finanzplatzkabinett Hessen und die Finanzplatzstrategie Frankfurt beschäftigen sich mit den Bedingungen für die weitere Entwicklung. Die historische Betrachtung erklärt, wie aus Handel, Kapitalvermittlung und geldpolitischen Entscheidungen der heutige Finanzplatz entstanden ist.
Finanzplatz Frankfurt und Finance Loop
Finance Loop vernetzt Fachleute aus der Finanzwirtschaft und dem Bereich neuer Technologien. Strategische Partner von Finance Loop sind Frankfurt Main Finance und TechQuartier. Bei Meetups besprechen Fachleute aktuelle Technologie- und Marktfragen des Finanzplatzes.
Finance Loop ist ein professionelles Netzwerk mit dem Ziel, die Einführung neuer Technologien in der Finanzwirtschaft voranzutreiben.