Core Banking in der Cloud

Ein Kernbankensystem führt Konten, Salden und Buchungen einer Bank und wendet die Regeln von Produkten wie Einlagen und Krediten an. Ein cloud-natives Kernbankensystem ist von Anfang an für die Cloud gebaut, meist aus vielen kleinen Diensten, die sich einzeln ändern und skalieren lassen. Ein Altsystem, das unverändert auf gemietete Server umzieht, läuft in der Cloud, ist aber nicht cloud-nativ.

In der EU ist die Wahl eines Cloud-Kernbankensystems auch eine Frage der Aufsicht. Seit dem 17. Januar 2025 regelt DORA IKT-Risiken und den Umgang mit Dienstleistern, von denen eine Bank abhängt. Nach dem EZB-Cloud-Leitfaden prüft eine Bank Lock-in- und Konzentrationsrisiken, bevor sie einen Cloud-Vertrag unterschreibt.

Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, spricht am 5. Februar 2026 auf dem CISPE-Cloud-Gipfel in Brüssel (Foto: © European Union, 2026, CC BY 4.0)

Was ist cloud-natives Core Banking?

Cloud-nativ beschreibt die Architektur der Software, unabhängig vom Rechenzentrum, in dem sie läuft. Anbieter teilen das Kernbankensystem in Dienste für Konten, Zahlungen, Kredite oder Karten, betreiben sie in Containern und spielen eine Änderung an einem Dienst ein, ohne das ganze System neu auszurollen.

Thought Machine, 2014 in London gegründet, lässt Banken Produkte auf der Plattform Vault Core in Code definieren, erster Tier-1-Kunde war die Lloyds Banking Group. Tuum verkauft getrennte Module für Konten, Zahlungen, Kredite und Karten, die eine Bank kombinieren oder neben einem bestehenden Kernsystem betreiben kann.

Core Banking System in der Cloud: DORA und EZB

DORA verlangt von Banken, IKT-Drittparteienrisiken zu steuern, ein Register ihrer IKT-Verträge zu führen und Ausstiegspläne für Dienste zu haben, die kritische Funktionen unterstützen. Am 18. November 2025 haben die Europäischen Aufsichtsbehörden ihre erste Liste benannter kritischer IKT-Drittdienstleister veröffentlicht (auf Englisch), die sie nun direkt beaufsichtigen.

Die EZB hat ihren Leitfaden zur Auslagerung von Cloud-Diensten am 16. Juli 2025 fertiggestellt. Er ist rechtlich nicht bindend, aber die Aufsichtsteams der EZB nutzen ihn als Maßstab bei ihren Prüfungen. Für ein Cloud-Kernbankensystem heißt das: Die Bank zeigt, wo ihre Daten liegen, wer darauf zugreifen kann und wie sie das System zu einem anderen Anbieter umziehen würde.

Cloud-Kernbanksysteme für Wertpapiere

Das gleiche cloud-native Modell erreicht inzwischen auch die Wertpapierabwicklung deutscher Banken. Die dwpbank, die Wertpapiergeschäfte für rund 1.000 deutsche Banken abwickelt, beschreibt ihre nächste Plattform WP3 als modular und cloud-nativ, gebaut aus rund 400 Microservices.

Migration auf ein Cloud-Kernbankensystem

Kaum eine Bank tauscht ihr Kernbankensystem in einem einzigen Schritt aus. Tuum unterstützt die Einführung einzelner Module neben dem bestehenden System, sodass eine Bank zuerst einen Geschäftsbereich umstellt und den vollständigen Austausch später angeht. Die Modernisierung älterer Kern- und Mainframe-Systeme folgt demselben Muster in Schritten.

Banken, die Daten und Betrieb unter europäischer Kontrolle halten wollen, wägen außerdem Angebote einer souveränen Cloud gegen die großen Public Clouds ab.

Kommende Events zu Core Banking, Cloud und Infrastruktur

Was unterscheidet cloud-natives von cloud-gehostetem Core Banking?

Ein cloud-gehostetes Kernbankensystem ist ein bestehendes System auf gemieteter Infrastruktur. Ein cloud-natives System besteht aus Diensten, die Bank oder Anbieter einzeln ausrollen, skalieren und aktualisieren.

Erlaubt DORA Core Banking in der Public Cloud?

Ja, DORA erlaubt IKT-Dienste von Dritten, auch von Public-Cloud-Anbietern, solange die Bank das Risiko steuert, die Verträge dokumentiert und für kritische Funktionen einen Ausstiegsplan bereithält.

Was macht ein Kernbankensystem?

Ein Kernbankensystem verbucht Konten, Salden und Buchungen und wendet die Produktregeln für Einlagen, Kredite und Zahlungen an. Jeder Kundenkanal der Bank liest daraus und schreibt hinein.

Core Banking in der Cloud und Finance Loop

Finance Loop behandelt Kernbankensysteme und Cloud im Themenfeld Digitale Infrastruktur und Souveränität, DORA und IKT-Drittparteienrisiken im Themenfeld Risikomanagement und Compliance. Finance Loop bringt Fachleute aus IT, Architektur und Risikomanagement von Banken und ihren Dienstleistern bei Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg zusammen.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk mit dem Ziel, die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranzutreiben, etwa KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, in vier Themenfeldern Know-how und persönliche Netzwerke aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.

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