DICO
DICO, das Deutsche Institut für Compliance, ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein in Berlin, den führende Compliance-Praktiker und Fachleute im November 2012 gegründet haben. DICO versteht sich als unabhängiges, interdisziplinäres Netzwerk für den Austausch über Compliance in Deutschland. Die mehr als 1.000 Mitglieder kommen aus DAX-Konzernen, dem Mittelstand, Wirtschaftsprüfung und Beratung, NGOs und der Wissenschaft.
In Arbeitskreisen erarbeiten DICO-Mitglieder Standards, Leitlinien und Positionspapiere, die Unternehmen jeder Größe in ihrer Compliance-Arbeit anwenden können. Das Institut nimmt zu Gesetzentwürfen und zum Deutschen Corporate Governance Kodex Stellung und richtet einmal im Jahr das DICO Forum in Berlin aus. Eine hauptamtliche Vorständin und Chief Compliance Officers großer deutscher Unternehmen führen den Verein.
Standards und Leitlinien
DICO-Standards beschreiben, wie Unternehmen Teile eines Compliance-Management-Systems aufbauen, von Geschäftspartner-Compliance und internen Untersuchungen bis zu Compliance-Risikoanalyse, Hinweisgebersystemen und Lieferketten-Management. Weitere Standards behandeln Schulungskonzepte, Integrity Management, Regelungsmanagement, kartellrechtliche Compliance und den Aufsichtsrat. Leitlinien greifen engere Praxisfragen auf, etwa Sanktionslisten-Screening, Sorgfaltspflichten bei Geschäften mit Russland und Belarus und Compliance-Monitoring.
DICO-Mitglieder finden alle Publikationen vollständig und kostenfrei im SharePoint des Vereins. Nichtmitglieder können ausgewählte Standards und Leitlinien für je 30 Euro plus Mehrwertsteuer als personalisiertes PDF bestellen.
Arbeitskreise
DICO teilt seine Arbeitskreise in drei Bereiche ein: Themen, Elemente und Foren. Themen-Arbeitskreise befassen sich mit Rechts- und Risikobereichen wie Geldwäscheprävention, Exportkontrolle und Sanktionen, Data Compliance, ESG, Kartellrecht, Menschenrechten und Strafrecht. Die Elemente-Arbeitskreise behandeln Bausteine eines Compliance-Management-Systems, zum Beispiel Risikoanalyse, interne Untersuchungen, Trainings und Richtlinienmanagement.
In den Foren treffen sich Compliance-Verantwortliche aus Mittelstand, NGOs, Sportorganisationen und Gesundheitswesen. Mitarbeiten können nur DICO-Mitglieder, und Projektgruppen, etwa zur US-Compliance, übernehmen dringende Themen für begrenzte Zeit.
DICO Forum in Berlin
Das DICO Forum ist die jährliche zweitägige Konferenz des Instituts in Berlin, mit Keynotes, Panels und einem Marktplatz für Partner und Sponsoren. Die Ausgabe 2026 am 29. und 30. September stand unter dem Motto „Compliance im Stresstest: zwischen Kostendruck, KI und globalen Konflikten“ und brachte mehr als 450 Teilnehmende zusammen.
Kommende Fintech- und Finanz-Events in Deutschland
Vorstand und Büro in Berlin
Anna-Maija Mertens ist seit April 2024 hauptamtliche Vorständin von DICO, zuvor leitete sie zehn Jahre lang Transparency International Deutschland als Geschäftsführerin. Marie von der Groeben, Chief Compliance Officer der Deutschen Telekom, und Christoph Klahold, Chief Compliance Officer der BMW Group, sind Sprecher des Vorstands. Zum Vorstand gehört auch Markus Bamberger, Chief Compliance Officer von Robert Bosch, Geschäftsführer ist Kai Fain und den Verwaltungsrat leitet Stefanie Reichel. Die Geschäftsstelle von DICO liegt in der Bergstraße 68 in 10115 Berlin.
Mitglieder und Beitritt
Das Lobbyregister des Bundestags nennt 1.228 DICO-Mitglieder im Juni 2025, davon 680 natürliche Personen und 548 Unternehmen und andere Organisationen. Mitglied werden können Unternehmen, Verbände, Wissenschaft, Verwaltung, Beratung und Politik, weil DICO diese unterschiedlichen Sichtweisen in seinen Arbeitskreisen haben will.
Geldwäscheregeln für Konzerne
Im August 2026 unterzeichnete DICO eine gemeinsame Position von Wirtschaftsverbänden zur EU-Geldwäscheverordnung (auf Englisch), zusammen mit dem Deutschen Aktieninstitut, dem Chemieverband VCI und dem Automobilverband VDA. Das Papier fordert, Industriekonzerne mit eigener Finanzgesellschaft nicht wie Banken zu behandeln, wenn sie unter die neue Kategorie der Finanz-Mischholdings fallen. Die Verordnung gehört zum EU-Geldwäschepaket, mit dem auch die neue Behörde AMLA in Frankfurt entstand.
DICO und Finance Loop
Banken und Vermögensverwalter, die KI-Werkzeuge oder Angebote für digitale Vermögenswerte einführen, stehen vor Compliance-Fragen zu Risikoanalyse, Geschäftspartnerprüfung und Hinweisgebersystemen, die auch DICO-Standards behandeln. Finance-Loop-Mitglieder diskutieren diese Compliance-Fragen im Track Risiko und Compliance und bei Events in Frankfurt und Berlin.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.