Frankfurt und London
Frankfurt und London konkurrieren um das Clearing von Euro-Derivaten, und seit Juni 2025 verlangen EU-Regeln von großen EU-Firmen ein aktives Konto bei einem Clearinghaus in der EU wie der Eurex Clearing in Frankfurt. Die Deutsche Bundesbank lagert 432 Tonnen deutsches Gold bei der Bank of England in London.
Seit dem Ende der Brexit-Übergangsphase am 31. Dezember 2020 reicht eine Lizenz der Financial Conduct Authority nicht mehr in die Europäische Union. Für ein Fintech, eine Kryptofirma oder eine Bank aus London ist Frankfurt deshalb ein Weg nach Deutschland und in die übrigen Mitgliedstaaten, und eine deutsche Lizenz der BaFin reicht in jeden davon.
Euro-Clearing und EMIR 3
EMIR 3, die Verordnung (EU) 2024/2987, hat die Pflicht zum aktiven Konto eingeführt, die seit dem 25. Juni 2025 gilt. EU-Firmen, die der Clearingpflicht unterliegen und die Clearingschwelle überschreiten, müssen ein aktives Konto bei einem Clearinghaus in der EU halten. Die ESMA hat die Bedingungen für dieses Konto in ihrem Abschlussbericht vom 19. Juni 2025 (auf Englisch) festgelegt, und Firmen mit mindestens 6 Milliarden Euro an betroffenen Kontrakten müssen dort auch einen repräsentativen Anteil clearen.
Für die Eurex Clearing in Frankfurt zählt diese Regel direkt, weil sie Euro-Zinsswaps cleart und dabei mit LCH in London konkurriert. Die Europäische Kommission erlaubt EU-Firmen weiter die Nutzung britischer Clearinghäuser und hat diese Gleichwertigkeit bis zum 30. Juni 2028 verlängert (auf Englisch).
Von der FCA-Lizenz zur EU-Lizenz
Eine von der FCA zugelassene Firma hat am 1. Januar 2021 ihren EU-Pass verloren und darf Kunden in der EU nicht mehr mit ihrer britischen Lizenz aus London bedienen. Ein Zahlungs- oder E-Geld-Institut braucht eine Erlaubnis nach den PSD2-Regeln, eine Wertpapierfirma eine Lizenz nach MiFID II und eine Kryptofirma eine CASP-Lizenz nach MiCA.
In Deutschland erteilt die BaFin die Lizenz, und eine BaFin-Lizenz gilt über den Europäischen Pass in der ganzen EU. Britische Banken, die Einlagen annehmen, Kredite vergeben oder Garantien für Kunden in der EU stellen, brauchen ab dem 11. Januar 2027 eine zugelassene Zweigstelle in der EU nach Artikel 21c der Richtlinie (EU) 2024/1619.
Die gescheiterte Börsenfusion
Am 29. März 2017 untersagte die Europäische Kommission die Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange Group (auf Englisch). Kommissarin Margrethe Vestager begründete das damit, dass ein nahezu monopolistischer Anbieter für das Clearing festverzinslicher Wertpapiere entstanden wäre.
Die beiden Gruppen hatten den Verkauf von LCH.Clearnet SA angeboten, dem französischen Clearinghaus der Londoner Gruppe, doch die Kommission hielt diese Auflage für zu schwach. Die Gruppe Deutsche Börse ging danach allein weiter und führt ihr Derivate- und Clearinggeschäft heute von Frankfurt aus.
Fintech-Events in London
Der britische Fintech-Verband Innovate Finance veranstaltet seinen Global Summit 2027 am 20. April 2027 in der Guildhall in der City of London. Der AI in Finance Summit London von RE•WORK fand am 15. September 2026 statt und behandelte Entwicklung und Einsatz von KI-Anwendungen im Finanzwesen.
Kommende Finanz- und Fintech-Events in Frankfurt und Europa
Wie viel deutsches Gold lagert in London?
Die Bundesbank meldete im August 2017 432 Tonnen deutsches Gold bei der Bank of England, 12,8 Prozent ihrer Reserven. Sie lagert das Gold in London, weil sie es dort kurzfristig in Fremdwährung tauschen kann, während die Hälfte der Reserven in Frankfurt liegt.
Wann endet die Gleichwertigkeit für UK-Clearinghäuser?
Der Gleichwertigkeitsbeschluss für Clearinghäuser im Vereinigten Königreich läuft am 30. Juni 2028 aus, nachdem die Kommission ihn im Januar 2025 um drei Jahre verlängert hat. EU-Firmen können LCH und andere britische Clearinghäuser bis dahin nutzen, während EMIR 3 einen Teil ihres Euro-Clearings auf Konten in der EU verlagert.
Kontakte in Frankfurt für Teams aus London
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk für neue Technologien im Finanzwesen mit mehr als 4.000 Mitgliedern und wird in Zusammenarbeit mit Frankfurt Main Finance und TechQuartier aufgebaut. Auf den Events von Finance Loop in Frankfurt treffen Besucher aus London die Banken, Vermögensverwalter, Aufseher und Fintechs in Deutschland.
Ein Team aus London kann sich einer Delegation von Finance Loop zu Events wie Frankfurt Digital Finance anschließen und bekommt persönliche Vorstellungen durch das Team von Finance Loop. Wer im Finanzwesen, in der IT oder mit KI arbeitet, kann sich für die kostenlose Netzwerk-Mitgliedschaft anmelden.
Frankfurt, London und Finance Loop
Finance Loop veranstaltet seine Events in Frankfurt, wohin nach dem Brexit viele Teams aus London gezogen sind, und bringt dort Besucher aus dem Vereinigten Königreich mit Banken, Aufsehern und Fintechs zusammen. Teams aus London treffen die Mitglieder von Finance Loop bei Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.