Liquiditätsstresstest in einer Bank
Ein Liquiditätsstresstest beantwortet eine Frage: Wie viele Tage könnte diese Bank ihre Verpflichtungen erfüllen, wenn die Refinanzierung stoppt und Einleger abziehen. Die Antwort ist eine Zahl, die der Vorstand verantwortet, und das Modul BTR 3 der MaRisk verlangt sie von einer deutschen Bank.
Darunter liegen zwei laufende Quoten. Die Liquiditätsdeckungsquote und die strukturelle Liquiditätsquote in Teil 6 der Verordnung (EU) 575/2013 sind vorgegebene Rechnungen mit vorgegebenen Annahmen. Im internen Stresstest sagt die Bank, was sie über ihre eigenen Einleger glaubt.
LCR und NSFR sind nicht der Stresstest
Die LCR misst hochliquide Aktiva gegen Nettoabflüsse über ein Stressfenster von 30 Kalendertagen, und die Verordnung setzt die Abflussraten: eine stabile, durch eine Einlagensicherung gedeckte Privatkundeneinlage mit 5 Prozent, eine weniger stabile höher, eine operative Firmeneinlage mit 25 Prozent, nicht operative Großkundenmittel weit darüber. Die Quote muss mindestens 100 Prozent betragen. Die NSFR blickt ein Jahr voraus und vergleicht verfügbare mit erforderlicher stabiler Refinanzierung, ebenfalls mit vorgegebenen Faktoren.
Beide sind nützlich und keine ist die eigene Sicht der Bank. Die Abflussraten sind ein aufsichtlicher Durchschnitt für jedes Institut. Eine Bank, deren Einlagenbasis konzentrierter, digitaler oder zinssensibler als der Durchschnitt ist, wird von der LCR zu niedrig gemessen und weiß das. Der interne Stresstest korrigiert das, und deshalb vergleicht eine Aufsicht beide Zahlen und fragt nach der Differenz.
Die drei Szenarien und die Mindestzeiträume
Die EBA-Leitlinien zu institutseigenen Stresstests und MaRisk BTR 3 verlangen beide drei Szenariofamilien. Ein idiosynkratisches Szenario nimmt an, dass nur die Bank in Schwierigkeiten ist: eine Herabstufung, ein negativer Pressebericht, der Verlust eines Refinanzierungspartners, während die Märkte funktionieren. Ein marktweites Szenario nimmt das Gegenteil an: Märkte frieren ein, Preise fallen, aber der Name der Bank ist nicht das Problem. Ein kombiniertes Szenario fährt beides zugleich, und dieses bindet.
Mindesthorizonte gelten. Die Aufsichtspraxis setzt mindestens fünf Arbeitstage für das idiosynkratische und mindestens einen Kalendermonat für das marktweite und das kombinierte Szenario, mit feinen Zeitbändern darin: über Nacht, bis sieben Tage, bis einen Monat und weiter. Diese Bänder zeigen eine Bank, die auf dem Papier 30 Tage übersteht und an Tag vier scheitert, was eine Gesamtzahl verdeckt.
Die Überlebensdauer und was sie bestimmt
Die Überlebensdauer ist die Zeit, in der die Gegenbilanzkapazität den kumulierten Nettoabfluss eines Szenarios deckt. Sie ist eine Rechnung und kein Ziel: Man nimmt die nach Abschlägen verfügbare Liquidität, teilt sie durch den Abfluss je Tag und liest den Tag ab, an dem die kumulierte Lücke negativ wird. Der ILAAP-Leitfaden der EZB erwartet, dass eine Bank die je Szenario verlangte Überlebensdauer festlegt und die Rechnung hinter der erreichten zeigt.
Gegenbilanzkapazität heißt, was die Bank im Szenario wirklich zu Geld machen könnte, und das ist weniger als ihre liquiden Aktiva. Eine Staatsanleihe im Repo mit Stressabschlag bringt weniger Bargeld als ihren Marktwert. Eine Unternehmensanleihe ist in einem marktweiten Szenario womöglich gar nicht repofähig. Eine Zentralbankfazilität hat Zulassungskriterien und einen Prozess, der Zeit braucht. Wer annimmt, ein Anleiheportfolio verkaufe sich in Woche eins zum Mittelkurs, hat den Stress weggerechnet.
Die Abflussannahme für Einlagen nach 2023
Der Einlagenabfluss ist die einzelne Annahme, die das Ergebnis am stärksten bestimmt, und die Bankzusammenbrüche von 2023 änderten, wie die Aufsicht sie liest. Einlagen gingen schneller, als es irgendeine vorgegebene Rate vorsah, weil die Kunden konzentriert und informiert waren und Geld binnen Minuten nach derselben Nachricht vom Telefon aus verschieben konnten. Der Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank behandelte die Geschwindigkeit dieses Abflusses und die Rolle des digitalen Zugangs und der sozialen Medien dabei.
Für einen Stresstest folgt daraus Genauigkeit. Eine Abflussannahme aus den eigenen Daten, nach Kundensegment, Kanal, Betragsgröße und Deckung durch die Einlagensicherung, lässt sich verteidigen. Eine einzige Rate über alle Privatkundeneinlagen nicht, und die Aufsicht erwartet inzwischen, dass dieser Befund bearbeitet und nicht wiederholt wird.
Intratagesliquidität, meist separat behandelt
Das Intratagesliquiditätsrisiko ist das Risiko, eine Zahlung im Moment ihrer Fälligkeit nicht leisten zu können, selbst bei reichlicher Liquidität zum Tagesende. Die Überwachungsinstrumente des Basler Ausschusses für die Intratagesliquidität setzen die Maße: die maximale tägliche Nutzung, die verfügbare Intratagesliquidität am Tagesbeginn, die Gesamtzahlungen und den Zeitpunkt termingebundener Verpflichtungen.
Eine Bank in einem Echtzeit-Bruttosystem oder einem Instant-Payments-Verfahren trägt dieses Risiko laufend, und Instant Payments nahmen den Annahmeschluss weg, an dem eine Treasury vor Tagesende verrechnen konnte. Die Seite zu Instant Payments in Europa behandelt die Zahlungsseite dieser Änderung.
Wie verpackt der ILAAP das Ergebnis?
Als Dokumentensatz mit einer Erklärung vorn. Der interne Prozess zur Beurteilung der Liquiditätsangemessenheit ist der eigene Nachweis der Bank, dass ihre Liquidität reicht, und der ILAAP-Leitfaden der EZB ordnet ihn in sieben Prinzipien zu Organisation, Rahmenwerk, Refinanzierungsstrategie, Puffer- und Sicherheitenverwaltung, Stresstests und Notfallplan. Das Leitungsorgan zeichnet eine Erklärung zur Liquiditätsangemessenheit, und an diesem Satz hält eine Aufsicht den Vorstand fest.
Zur Einreichung gehört ein Leseleitfaden, der auflistet, was geschickt wurde und wo jedes Thema steht, denn die Behörde liest ein über mehrere Teams zusammengetragenes Paket. In Deutschland erhält die EZB den ILAAP eines bedeutenden Instituts, für die übrigen die BaFin mit der Bundesbank. Das Ergebnis geht in den SREP, den die Seite zu ICAAP und SREP behandelt.
Wozu dient der Notfallplan für Liquidität?
Für die Entscheidungen, die niemand treffen will, während die Telefone klingeln. Der Plan nennt die Frühwarnindikatoren, die ihn auslösen, den Eskalationsweg und wer ihn in Kraft setzen darf, die verfügbaren Maßnahmen nach Vorrang und Kosten, die zu verpfändenden Sicherheiten und die Kommunikation an Aufsicht, Ratingagenturen, Einleger und Beschäftigte.
Stresstest und Plan verbinden sich über den Auslöser. Ein Szenario, das die Überlebensdauer unter die Toleranz des Vorstands drückt, setzt den Plan in Kraft. Ein Stresstest ohne festgelegte Toleranz erzeugt also eine Zahl ohne Folge. Der Plan braucht außerdem einen Test, denn eine Maßnahme, die einen unterschriebenen Vertrag braucht, den niemand unterschrieben hat, ist keine Maßnahme. Die MaRisk verlangt den Plan und seine regelmäßige Überprüfung, und der Sanierungsplan unter Sanierungs- und Abwicklungsplanung trägt Liquiditätsindikatoren auf dieselben Schwellen.
Liquiditätsstresstest und Finance Loop
Finance Loop ist der Treffpunkt für die Treasury-, Risiko- und Datenteams in deutschen Instituten, die diese Modelle bauen und ihre Annahmen verteidigen. Im Liquiditätsstresstest wird die Datenqualität einer Bank sichtbar, denn eine Abflussannahme ist nur so gut wie die Kundensegmentierung darunter.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will neue Technologien im Finanzwesen voranbringen, etwa KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Feldern aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Payments & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.