Lieferung gegen Zahlung (DvP)
Lieferung gegen Zahlung, englisch delivery versus payment (DvP), heißt: Ein Wertpapier wechselt nur dann den Eigentümer, wenn auch das Geld dafür fließt. Für Treasury und Zahlungsverkehr einer Bank bestimmt die Geldseite, welches Geld zahlt, in welchem System und wann die Zahlung endgültig ist. Das gilt für TARGET2-Securities ebenso wie für die Abwicklung auf einem Distributed Ledger.
Warum es Lieferung gegen Zahlung gibt
Ohne DvP kann ein Verkäufer liefern und nie bezahlt werden, und ein Käufer kann zahlen und nie Wertpapiere erhalten. Auf dem Spiel steht der volle Wert des Geschäfts, das Erfüllungsrisiko. Nach dem Börsenkrach vom Oktober 1987 empfahl die Group of Thirty DvP für alle Wertpapiergeschäfte, wie der Wikipedia-Artikel zu Delivery versus Payment festhält. Die Zentralbanken der G10 legten im September 1992 den Bericht Delivery versus payment in securities settlement systems vor.
Der Bericht beschreibt drei Modelle. In Modell 1 werden Wertpapiere und Geld Geschäft für Geschäft brutto abgewickelt. In Modell 2 laufen die Wertpapiere brutto über den Tag, das Geld netto am Ende eines Zyklus. In Modell 3 werden beide Seiten am Ende des Zyklus netto verrechnet. Für die Geldseite unterscheiden sich die Modelle darin, wie viel Liquidität ein Teilnehmer tagsüber halten muss: Brutto braucht mehr, netto weniger, lässt aber bis zum Zyklusende eine offene Position.
DvP, RVP und frei von Zahlung
Im Tagesgeschäft schicken beide Seiten eine Abwicklungsanweisung an ihre Depotbank oder den Zentralverwahrer. Der Verkäufer weist delivery versus payment an, der Käufer receive versus payment (RVP). Der Verwahrer gleicht beide ab und wickelt sie gemeinsam ab. Eine Anweisung frei von Zahlung (FOP) bewegt Wertpapiere ohne verbundene Geldseite, etwa bei Schenkung oder Erbschaft. Zwischen zwei Handelspartnern bleibt bei FOP genau das Risiko, das DvP beseitigt.
T2S: DvP in Zentralbankgeld im Euroraum
Die meisten Wertpapiere im Euroraum werden über TARGET2-Securities (T2S) abgewickelt, die Abwicklungsplattform des Eurosystems. Die EZB beschreibt T2S als Plattform, auf der Wertpapiere und Geld gleichzeitig getauscht werden. Angeschlossen sind 24 Zentralverwahrer aus 23 europäischen Ländern, abgewickelt wird in Euro und Dänischer Krone, an einem Durchschnittstag rund 800.000 Wertpapiergeschäfte.
Die Geldseite läuft in Zentralbankgeld: Jeder Teilnehmer hält ein eigenes Geldkonto bei einer an T2S angeschlossenen Zentralbank, in Deutschland bei der Deutschen Bundesbank. Zentralbankgeld trägt kein Kreditrisiko auf das Geld selbst, deshalb werden neue DvP-Modelle für tokenisierte Wertpapiere an diesem Aufbau gemessen.
DvP auf einem Distributed Ledger
Existiert ein Wertpapier als Token, braucht die Geldseite ein Gegenstück, das sich unter denselben Bedingungen bewegt. Ein Geschäft kann gegen einen E-Geld-Token auf demselben Ledger abgewickelt werden, wie bei 21X. Es kann gegen tokenisiertes Geschäftsbankengeld laufen, die tokenisierten Einlagen einer Bank. Oder es nutzt Zentralbankgeld über eine Anbindung an TARGET.
Diese dritte Möglichkeit gibt es, seit das Eurosystem am 21. September 2026 Pontes gestartet hat. Pontes verbindet DLT-Plattformen des Marktes mit den TARGET-Diensten. Die Teilnehmer zahlen entweder mit Geld-Token auf der DLT-Plattform des Eurosystems oder in T2; DvP und andere Alles-oder-nichts-Geschäfte laufen laut EZB über das Hash-Link-Protokoll. Die Seite zu Wholesale-CBDC beschreibt die Versuche vor Pontes.
Auf einem einzigen Ledger kann ein Smart Contract beide Seiten treuhänderisch halten. Bitbond beschreibt seinen DvP-Vertrag als Treuhand, die keine Seite freigibt, bevor beide eingezahlt haben, und nennt das einen Atomic Swap. Die Seite zu Atomic Settlement erklärt, was dieser Schritt an Liquidität kostet.
Kommende Events zu Abwicklung und digitalem Geld in Deutschland
Finance Loop und Lieferung gegen Zahlung
Die Geldseite tokenisierter Wertpapiere war Thema des zweiten Panels beim Frankfurt Forum on Digital Assets & Applications: Zahlungen in DLT-Märkten und der Einsatz verschiedener Geldformen, mit Fachleuten von Deutscher Bundesbank, Deutscher Bank, Commerzbank, DZ Bank und AllUnity. Finance Loop kooperiert strategisch mit 21X, dessen Handelsplatz gegen E-Geld-Token abwickelt, und war Partner der Digital Euro Conference 2026.
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Investment & Digital Assets
Was bedeutet Lieferung gegen Zahlung?
Ein Abwicklungsverfahren, bei dem ein Wertpapier nur zusammen mit der Zahlung übertragen wird. Es beseitigt das Risiko, dass eine Seite liefert und die andere nicht.
Was ist der Unterschied zwischen DvP und RVP?
Es sind die beiden Seiten desselben Geschäfts. Der Verkäufer weist DvP an, der Käufer RVP, und der Verwahrer wickelt beide ab, sobald sie zusammenpassen.
Welche drei DvP-Modelle gibt es?
Modell 1 wickelt Wertpapiere und Geld brutto ab, Geschäft für Geschäft. Modell 2 wickelt Wertpapiere brutto und Geld netto am Zyklusende ab. Modell 3 verrechnet beide Seiten netto. Die Modelle stammen aus dem Bericht der G10-Zentralbanken von 1992.
Kann ein Kryptowertpapier DvP in Zentralbankgeld abwickeln?
Ja. Seit dem Start von Pontes am 21. September 2026 kann eine an die TARGET-Dienste angebundene DLT-Plattform die Geldseite in Zentralbankgeld abwickeln.
Lieferung gegen Zahlung und Finance Loop
Finance Loop behandelt Lieferung gegen Zahlung im Themenfeld Payments & Digital Money, neben Settlement Finality, Stablecoin-Abwicklung und Wholesale-Zentralbankgeld. Finance Loop bringt Fachleute aus Bank-Treasury, Verwahrstellen, Börsen und Zentralbanken bei Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg zusammen.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk mit dem Ziel, die Adoption neuer Technologien im Finanzwesen voranzutreiben, etwa KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, in vier Themenfeldern Know-how und persönliche Netzwerke aufzubauen: Investment & Digital Assets, Payments & Digital Money, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risk & Compliance.