Crowdinvesting in Deutschland

Crowdinvesting in Deutschland ist eine Finanzierungsform, bei der mehrere Anleger über eine Online-Plattform Kapital für ein Unternehmen oder Projekt bereitstellen. Dafür erhalten sie vertragliche finanzielle Rechte, etwa über Beteiligungsinstrumente, Wertpapiere oder Darlehen. Die konkrete Anlage bestimmt, ob Zahlungen vom Unternehmenserfolg abhängen, welche Rückzahlungsansprüche bestehen und welchen Rang Anleger bei einer Insolvenz haben.

Crowdinvesting eröffnet Unternehmen einen Weg, mehrere Kapitalgeber für einen bestimmten Finanzierungsbedarf anzusprechen und das Vorhaben direkt vorzustellen. Anleger erhalten Zugang zu Finanzierungen, die sie sonst kaum einzeln vereinbaren könnten, übernehmen dabei aber wirtschaftliche Risiken. Verständliche Angebotsunterlagen, die passende Zulassung und eine verlässliche Verwaltung sind deshalb erforderlich, damit Teilnehmer die Anlage und ihre Rechte tatsächlich einordnen können.

Werkstattgründer zeigen einen Lastenrad-Prototyp

Vier Arten von Crowdfunding

Spendenbasiertes Crowdfunding unterstützt ein Vorhaben ohne finanzielle Gegenleistung, während belohnungsbasiertes Crowdfunding ein Produkt, eine Leistung oder einen anderen vereinbarten Vorteil verspricht. Beim Crowdinvesting erhalten Anleger finanzielle Rechte über Beteiligungsinstrumente, Wertpapiere oder andere Verträge. Beim Crowdlending finanzieren mehrere Geldgeber einen Kredit mit vereinbarten Zins- und Rückzahlungsbedingungen.

Das Instrument bestimmt die Rechte der Anleger und die einschlägigen Regeln. Ein Nachrangdarlehen kann hinter anderen Gläubigern stehen, während ein Wertpapier oder Beteiligungsinstrument andere Übertragungs- und Zahlungsbedingungen hat. Die BaFin ist die deutsche Finanzaufsicht; Spendenkampagnen, Wertpapierangebote, Verbraucherkredite und Unternehmenskredite sind keine einheitliche Aufsichtskategorie.

Die ECSP-Lizenz der BaFin

Die ECSP-Verordnung, Verordnung (EU) 2020/1503, schafft gemeinsame Regeln für bestimmte anlage- und kreditbasierte Unternehmensfinanzierungen. Erfasste Angebote können bis 5 Millionen Euro je Projektträger innerhalb von zwölf Monaten reichen, unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen Zusammenrechnung. Verbraucher als Projektträger, höhere Angebote und nicht erfasste Instrumente verlangen eine andere rechtliche Prüfung.

Ein Dienstleister mit Sitz in Deutschland beantragt die ECSP-Zulassung bei der BaFin. Die Behörde prüft die Vollständigkeit innerhalb von 25 Arbeitstagen und entscheidet binnen drei Monaten nach einem vollständigen Antrag. Die ESMA führt das öffentliche Verzeichnis zugelassener Anbieter; das Anzeigeverfahren erlaubt erfasste Leistungen in weiteren Mitgliedstaaten.

Was Privatanleger schützt

Die Verordnung behandelt die meisten Privatanleger als nicht kundige Anleger. Vor der ersten Anlage führt die Plattform einen Kenntnistest durch und lässt sie simulieren, ob sie einen Verlust von 10 % ihres Reinvermögens tragen könnten. Übersteigt eine einzelne Anlage 1.000 Euro oder 5 % des Reinvermögens, je nachdem, was höher ist, zeigt die Plattform einen Risikohinweis und holt eine ausdrückliche Zustimmung ein. Jeder nicht kundige Anleger kann ein Angebot binnen vier Kalendertagen widerrufen, und jedes Projekt hat ein Anlagebasisinformationsblatt von höchstens sechs A4-Seiten, so die Artikel 21 bis 23 der Verordnung.

Die BaFin warnt, dass Anleger bei einem gescheiterten Projekt alles verlieren können, dass ein Nachrangdarlehen mit vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre womöglich nie zurückgezahlt wird und dass Crowd-Anleger meist kein Stimmrecht und keinen leichten Ausstieg haben. Die BaFin prüft, ob ein Vermögensanlagen-Informationsblatt die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, aber nicht, ob der Inhalt stimmt oder das Geschäftsmodell trägt.

Crowdinvesting, virtuelle Anteile und Token

Startups sind in Deutschland meist GmbHs, und ein GmbH-Anteil wechselt nur per notariellem Vertrag den Besitzer. Eine Seed-Runde mit vielen kleinen Tickets wird dadurch teuer. Plattformen wie tokenize.it, heute beel, nutzen virtuelle Anteile: Verträge, die den Inhaber wie einen Gesellschafter bezahlen, ohne ihn dazu zu machen. Crowdinvesting kann auch in tokenisierten Instrumenten erfolgen. Für das Emittieren von Kryptowertpapieren in Deutschland ist ein gesetzlich vorgesehenes Register nötig.

Digitale Investmentplattformen und Branchenstandards

DIGITAL INVEST GERMANY, früher Bundesverband Crowdfunding, vertritt digitale Investmentplattformen und organisiert den fachlichen Austausch über Anlegerinformationen, Branchenpraktiken und Regulierung. Ein Verhaltenskodex und Berichtsrichtlinien unterstützen einheitliche Plattformpraktiken und vergleichbare Branchendaten. Verbandsmitgliedschaft und aufsichtsrechtliche Zulassung sind getrennte Fragen.

Die Wahl des Finanzierungsmodells beginnt mit dem Kapitalbedarf und den Rechten, die Anleger erhalten sollen. Der Vertrag muss Mittelverwendung, Zahlungspflichten, Gebühren und die Beendigung der Anlage verständlich machen. Crowdlending behandelt den kreditbasierten Weg, während tokenisierte Wertpapiere Anlageinstrumente mit elektronischer Registerführung betreffen.

Kommende Fintech- und Investment-Events in Deutschland

Finance Loop und Crowdfunding in Deutschland

Finance Loop ist der Treffpunkt für Gründer, Business Angels, Plattformbetreiber sowie Banker und Anwälte, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz an Startup-Finanzierung arbeiten. Finance Loop verbindet die Finanz-, IT- und KI-Communities, mit Events in Frankfurt, München, Berlin und Hamburg.

tokenize.it, heute beel, ist einer der Event- und Netzwerkpartner von Finance Loop. Finance Loop ist Partner des FinTech Founder & Investor Evening in Frankfurt, präsentiert von Finteda, der Kanzlei Schalast und Fincite unter dem Motto „Capital, Regulation & Scale“.

Ist Crowdfunding in Deutschland reguliert?

Crowdinvesting und Crowdlending können der Finanzmarktregulierung unterliegen; die erforderliche Erlaubnis hängt von Tätigkeit, Instrument und Kreditnehmer ab. Plattformen für erfasste Unternehmensfinanzierungen benötigen eine ECSP-Zulassung, die die BaFin Anbietern mit Sitz in Deutschland erteilt. Spenden- und Belohnungskampagnen sind davon zu unterscheiden.

Wie viel Geld kann ein Unternehmen per Crowdfunding einsammeln?

Der ECSP-Rechtsrahmen erfasst Angebote bis 5 Millionen Euro je Projektträger innerhalb von zwölf Monaten einschließlich der vorgesehenen Zusammenrechnung mit anderen Finanzierungen. Größere Angebote fallen nicht unter diesen Rahmen und verlangen die Prüfung anderer einschlägiger Vorschriften. Die ECSP-Verordnung erläutert diese Grenze und die Plattformpflichten.

Was unterscheidet Crowdinvesting und Crowdlending?

Beim Crowdinvesting ist der Anleger am Erfolg des Unternehmens beteiligt, oft über eine Gewinnbeteiligung, ein Nachrangdarlehen oder einen Token. Beim Crowdlending finanziert er einen Kredit und erwartet Zins und Tilgung nach festem Plan. Beide bergen das Risiko des Totalverlusts.

Crowdfunding und Finance Loop

Finance Loop behandelt Crowdinvesting im Track Investment & digitale Vermögenswerte, neben Venture Capital und tokenisierten Wertpapieren. Gründer und Anleger mit kleinen Tickets treffen sich bei Finance-Loop-Events, und tokenize.it, heute beel, ist einer der Netzwerkpartner.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk, das die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen fördert, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Fähigkeiten und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment & digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr & digitales Geld, Digitale Infrastruktur & Souveränität und Risiko & Compliance.

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