Digitale Wertpapiere

Digitale Wertpapiere sind Aktien, Anleihen und Fondsanteile, die als Eintrag in einem elektronischen Register oder auf einem Distributed Ledger existieren statt als Papierurkunde. Sie bleiben Wertpapiere im Sinne des Wertpapierrechts, für Prospekt, Handel und Verwahrung gelten also dieselben Regeln wie für eine klassische Anleihe oder Aktie.

Das Frankfurt School Blockchain Center nannte digitale Wertpapiere als eines seiner Forschungsfelder, neben Kryptowerten und Tokenisierung. Banken und Börsen in Deutschland, der Schweiz, der EU und Großbritannien begeben, handeln und wickeln solche Wertpapiere seit 2021 nach eigens dafür geschriebenen Gesetzen ab.

Besucher an den Ständen im Foyer der Frankfurt School of Finance & Management während der Crypto Assets Conference 2025.

Was sind digitale Wertpapiere

Ein digitales Wertpapier kann von Anfang an digital begeben werden oder ein Token sein, der ein anderswo verwahrtes Wertpapier abbildet. Die erste Form ersetzt Urkunde und Depoteintrag, die zweite, oft tokenisiertes Wertpapier genannt, ergänzt ein Wertpapier, das weiter bei einem klassischen Verwahrer liegt, um einen Token.

Digitale Wertpapiere sind keine Kryptowerte im Sinne der MiCAR, weil diese Finanzinstrumente ausschließt. Ihre Emittenten brauchen einen Prospekt oder eine Ausnahme, und die Plattformen, auf denen sie gehandelt werden, eine Erlaubnis als Handelsplatz oder Abwicklungssystem.

Digitale Wertpapiere in Deutschland

Das deutsche Gesetz über elektronische Wertpapiere vom Juni 2021 erlaubt Anleihen und Fondsanteile, seit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz vom Dezember 2023 auch Aktien, ohne Papierurkunde. Ein Zentralregisterwertpapier liegt bei einem Zentralverwahrer, ein Kryptowertpapier in einem Kryptowertpapierregister, das ein von der BaFin zugelassener Registerführer führt.

Im Februar 2023 hat Siemens eine digitale Anleihe über 60 Millionen Euro als Kryptowertpapier auf der öffentlichen Blockchain Polygon begeben. Im August 2024 folgte die Berlin Hyp mit einem Pfandbrief über 100 Millionen Euro auf der privaten Blockchain von SWIAT, mit der DekaBank als Registerführerin.

Digitale Wertpapiere in der EU

Das DLT Pilot Regime gilt seit dem 23. März 2023 und erlaubt zugelassenen Marktinfrastrukturen, Wertpapiere auf Distributed Ledgern zu handeln und abzuwickeln. Es kennt drei Formen: ein multilaterales DLT-Handelssystem, ein DLT-Abwicklungssystem und ein DLT-Handels- und Abwicklungssystem, das beides verbindet.

Am 3. Dezember 2024 erteilte die BaFin 21X in Frankfurt die erste EU-Lizenz für ein DLT-Handels- und Abwicklungssystem, das auf Polygon läuft. Das Market Integration and Supervision Package der EU vom Dezember 2025 schlägt höhere Volumengrenzen für das Pilotregime vor.

Kommende Fintech- und Finanz-Events in Europa

Digital Securities Sandbox in Großbritannien

Die Digital Securities Sandbox der Bank of England und der Financial Conduct Authority startete 2024 auf Grundlage des Financial Services and Markets Act 2023 und läuft fünf Jahre. Firmen in der Sandbox dürfen Handelsplatz und Wertpapierverwahrung mit Abwicklung in einer Gesellschaft betreiben, eine Form, die die Sandbox Digital Securities Depository nennt.

Die Sandbox umfasst Aktien, Anleihen und Geldmarktinstrumente, schließt aber Derivate und unbesicherte Kryptowerte wie Bitcoin aus. Ihre Ergebnisse sollen zeigen, welche dauerhaften Regeln Großbritannien nach den fünf Jahren für digitale Wertpapiere braucht.

Schweiz und Abwicklung in Zentralbankgeld

Die Schweiz hat mit ihrem DLT-Gesetz 2021 Registerwertrechte eingeführt, und SIX Digital Exchange betreibt dafür eine regulierte Börse mit Zentralverwahrer. Schweizer Banken haben dort digitale Anleihen begeben, die gegen Zentralbankgeld der Schweizerischen Nationalbank abgewickelt werden.

Im Euroraum will die EZB DLT-Plattformen über das Projekt Pontes an ihr Zahlungssystem TARGET anbinden. Ohne Abwicklung in Zentralbankgeld hängen digitale Wertpapiere für die Geldseite eines Geschäfts weiter von Bankgeld oder Stablecoins ab.

Digitale Wertpapiere und Finance Loop

Banken, Emittenten und Asset Manager im Netzwerk von Finance Loop wägen ab, wann sie Anleihen und Fondsanteile in ein Register oder auf einen Ledger bringen und welche Marktinfrastruktur sie nutzen. Finance Loop bringt ihre Teams aus Kapitalmarkt, Abwicklung und Recht mit Registerführern, Börsen und Aufsicht zusammen, damit sie abgewickelte Emissionen vergleichen.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, Tokenisierung, Stablecoins und DeFi. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.

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