GoCardless

GoCardless ist ein Londoner Unternehmen für Bankzahlungen: Firmen ziehen damit Geld direkt vom Bankkonto ihrer Kunden ein. Typische Fälle sind Abos, Mitgliedsbeiträge, Rechnungen und Ratenzahlungen, bei denen derselbe Kunde immer wieder zahlt. Mehr als 100.000 Unternehmen arbeiten mit GoCardless, vom kleinen Betrieb bis zum Konzern, und GoCardless zahlt auch Geld aus und liefert Kontodaten über Open Banking.

Die meisten Zahlungen laufen als Lastschrift auf ein Mandat: Der Kunde ermächtigt das Unternehmen einmal, danach zieht GoCardless jede Zahlung zum vereinbarten Termin ein, auch wenn sich der Betrag ändert. Bei einer Einmalzahlung gibt der Kunde stattdessen eine Überweisung in seiner Banking-App frei, ganz ohne Mandat. Seit September 2026 gehört GoCardless zum Amsterdamer Zahlungsanbieter Mollie und behält seine eigene Marke.

Lastschrift: Mandate und Verfahren

Bei einer Lastschrift holt das Unternehmen das Geld auf Grundlage eines Mandats, das der Kunde einmal erteilt hat, und jede Zahlung braucht zwei bis fünf Bankarbeitstage bis zur Bestätigung. GoCardless zieht Lastschriften (auf Englisch) über Bacs in Großbritannien, ACH in den USA, BECS in Australien, PAD in Kanada, Autogiro in Schweden, Betalingsservice in Dänemark und das australische PayTo ein. Im Euroraum nutzt GoCardless die SEPA-Lastschrift, und das Verfahren richtet sich nach dem Land, in dem der Zahler sein Konto führt.

Eine Prüfung vor der ersten Zahlung schützt das Unternehmen vor Mandaten, die mit gestohlenen Bankdaten erteilt wurden. Bei Verified Mandates (auf Englisch) meldet sich der Zahler bei seiner Bank an und lässt GoCardless bestätigen, dass er Zugriff auf das Konto hat. GoCardless bietet diese Prüfung für Bacs, ACH und Autogiro sowie für SEPA in Deutschland und Frankreich an, beim schwedischen Autogiro ist sie für jedes Mandat Pflicht.

Pay by Bank und Variable Recurring Payments

GoCardless hat einmalige Open-Banking-Zahlungen 2021 unter dem Namen Instant Bank Pay (auf Englisch) eingeführt, ein Produkt, das heute Pay by Bank heißt. Der Kunde gibt jede Zahlung in seiner Banking-App frei, und das Geld fließt ohne Mandat über Faster Payments in Pfund oder SEPA Instant in Euro. Die Überweisung startet ein lizenzierter Zahlungsauslösedienst, und der Kunde meldet sich nur bei seiner eigenen Bank an. Als Mollie die Übernahme abschloss, war Pay by Bank von GoCardless in 38 Ländern verfügbar (auf Englisch).

Variable Recurring Payments verbinden beide Modelle: Der Kunde erteilt eine Open-Banking-Zustimmung mit Limits, und das Unternehmen löst danach Zahlungen innerhalb dieser Limits aus. GoCardless startete sein VRP-Angebot im Juli 2022 (auf Englisch), und die Funktion gibt es nur in Pfund und für wenige Branchen. Im Mai 2025 haben GoCardless und 30 weitere Organisationen eine neue Gesellschaft mitfinanziert (auf Englisch), die kommerzielle VRPs als unabhängiger Systembetreiber der Zahlungsbranche führen soll.

Bank Account Data aus dem Kauf von Nordigen

Im Juli 2022 hat GoCardless den Kauf von Nordigen vereinbart (auf Englisch), einem lettischen Anbieter von Open-Banking-Daten mit Anbindung an mehr als 2.300 Banken in 31 Ländern und kostenlosem Zugang zu Kontodaten. Das Produkt von Nordigen läuft heute als GoCardless Bank Account Data, ein Kontoinformationsdienst, der nach Zustimmung des Kunden Kontodaten, Salden und Umsätze ausliest. Der Dienst deckt die EWR-Länder unter der PSD2 ab (auf Englisch), mit bis zu 24 Monaten Umsatzhistorie und bis zu 90 Tagen laufendem Zugriff auf ein Konto.

Rücklastschriften und Betrug

Success+ zieht fehlgeschlagene Lastschriften erneut ein, und GoCardless wählt mit einem Machine-Learning-Modell (auf Englisch) für jeden Kunden den Tag des neuen Versuchs. Das Modell wertet Zeitpunkt und Merkmale einer Zahlung aus und schätzt, wie wahrscheinlich ein neuer Versuch an einem bestimmten Tag scheitert.

Protect+ ist das Betrugsschutzprodukt, das GoCardless im Oktober 2022 eingeführt hat (auf Englisch), für Unternehmen, die Bankzahlungen einziehen. Protect+ richtet sich gegen drei Formen von Lastschriftbetrug: Identitätsbetrug mit gestohlenen oder gekauften Bankdaten, Zahler ohne Zahlungsabsicht und unberechtigte Rückbuchungen. Protect+ verbindet Transaktionsdaten aus dem Netzwerk von GoCardless mit Risikoeinstellungen, die jedes Unternehmen selbst festlegt.

Seit September 2026 Teil von Mollie

Mollie, der Zahlungsanbieter aus Amsterdam, vereinbarte am 11. Dezember 2025 (auf Englisch) den Kauf von GoCardless und schloss ihn am 1. September 2026 ab. Bei der Ankündigung wickelte GoCardless jährlich mehr als 130 Milliarden US-Dollar in über 30 Ländern ab und war per Open Banking mit mehr als 2.500 Banken verbunden. Nach dem damals vorgestellten Plan können Softwareplattformen mit Mollie Connect das Bankzahlungsnetz von GoCardless einbinden, sodass ihre Händler Karten- und Bankzahlungen über eine Integration annehmen.

Seit dem Abschluss tritt GoCardless als „GoCardless, a Mollie company“ auf (auf Englisch), geführt von Mitgründer Hiroki Takeuchi, während Koen Köppen als CEO von Mollie die Gruppe leitet. Zusammen betreuen beide Unternehmen mehr als 350.000 Firmen, und GoCardless bringt eine etablierte Präsenz in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland mit. Die Integration läuft schrittweise, und für Bestandskunden änderten sich mit dem Abschluss Leistungen, Ansprechpartner und Verträge zunächst nicht.

Payments-Events in Europa

Was bedeutet GoCardless auf dem Kontoauszug?

Ein Eintrag von GoCardless auf dem Kontoauszug bedeutet, dass ein Unternehmen über GoCardless eine Lastschrift oder Bankzahlung von diesem Konto eingezogen hat. Die Zahlungssuche (auf Englisch) von GoCardless fragt nach Land des Kontos, Betrag und Datum und zeigt dann, welches Unternehmen die Zahlung wofür eingezogen hat.

Ist GoCardless sicher?

GoCardless betreibt beaufsichtigte Zahlungsinstitute in Großbritannien und in der EU. GoCardless Ltd in London ist nach den Payment Services Regulations 2017 von der britischen Financial Conduct Authority zugelassen (auf Englisch), mit der Registernummer 597190. In der EU ist die GoCardless SAS in Paris von der französischen Aufsicht ACPR für Zahlungsdienste zugelassen, mit dem Bankcode 17118.

Lastschrift oder Pay by Bank?

Eine Lastschrift zieht das Unternehmen auf Grundlage eines Mandats ein, und sie wird nach zwei bis fünf Bankarbeitstagen bestätigt. Pay by Bank ist eine Überweisung, die der Kunde für jede einzelne Zahlung in seiner Banking-App anstößt, deshalb braucht sie kein Mandat. Regelmäßige Rechnungen mit wechselnden Beträgen passen zur Lastschrift, Einmalzahlungen mit Bestätigung vor der Lieferung passen zu Pay by Bank.

API und Sandbox für Entwickler

Entwickler binden GoCardless über eine API mit vollständiger Referenz (auf Englisch) aller Endpunkte und Parameter an, und mit einem Sandbox-Konto testen sie vor dem Start. Mehr als 350 Softwareprodukte sind über fertige Integrationen mit GoCardless verbunden.

GoCardless und Finance Loop

Finance Loop behandelt Lastschrift, Pay by Bank und Open Banking im Bereich Zahlungsverkehr und digitales Geld. Der Finance Loop Knowledge Hub erklärt das Zustimmungsmodell hinter Pay by Bank und Bank Account Data in seiner Antwort zu Open Banking.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.

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