Partior
Partior ist ein Unternehmen aus Singapur, das ein gemeinsames Ledger betreibt, auf dem Banken grenzüberschreitende Zahlungen und Devisengeschäfte in Echtzeit abwickeln. Das Ledger ist eine private, zugangsbeschränkte Blockchain, der nur zugelassene Finanzinstitute beitreten können. Jede Zahlung wird zu jeder Stunde endgültig abgewickelt, ohne die Annahmeschlusszeiten und Ketten von Korrespondenzbanken, die eine klassische Auslandsüberweisung bremsen.
Banken bewegen über das Netzwerk Geld für ihre Firmen- und institutionellen Kunden, und ein Unternehmen erreicht es nur über eine der teilnehmenden Banken. J.P. Morgan, DBS und Temasek gründeten Partior 2021 als eigene Firma aus Project Ubin, einer Blockchain-Initiative unter Leitung der Monetary Authority of Singapore. Standard Chartered wurde 2022 Gesellschafter, und seit 2023 laufen Live-Zahlungen in US-Dollar, Euro und Singapur-Dollar.
So läuft eine Zahlung auf dem Ledger
Zahlungen auf Partior werden in tokenisiertem Geschäftsbankengeld abgewickelt, und Settlement-Banken wie J.P. Morgan und die Deutsche Bank nehmen für die Währungen teil, die sie clearen. Partior nennt das atomare Abwicklung: Beide Seiten einer Transaktion werden gemeinsam abgewickelt oder gar nicht, und der volle Betrag erreicht die Empfängerbank nach dem Regelwerk des Netzwerks. Bevor Geld fließt, prüft das Ledger die Empfängerdaten und führt Compliance-Prüfungen durch, sodass weniger Zahlungen mit Fehlern oder Rückfragen zurückkommen.
Ein multilaterales Regelwerk gilt für alle Teilnehmer, sodass eine neue Bank keine bilateralen Vereinbarungen mit jeder Gegenpartei braucht, etwa die RMA-Freigaben, die Banken im Swift-Netz austauschen. Partior nutzt den Nachrichtenstandard ISO 20022, und das Ledger arbeitet mit Echtzeitzahlungssystemen und den RTGS-Systemen von Zentralbanken zusammen. Die Deutsche Bank und DBS stellten sicher, dass ihre erste Euro-Zahlung im Netzwerk auch über klassische Zahlungswege laufen konnte, ein praktischer Fall von Interoperabilität im Finanzsektor zwischen neuem Ledger und bestehender Infrastruktur.
Settlement-Banken und der Euro
Standard Chartered wurde im Mai 2024 die erste Euro-Settlement-Bank, die auf Partior live ging, mit Überweisungen zwischen Hongkong und Singapur für ihre Kunden Siemens AG und iFAST Financial. Mit diesem Schritt kam der Euro zum US-Dollar und zum Singapur-Dollar im Netzwerk hinzu. Partior-CEO Humphrey Valenbreder nannte Singapur, Hongkong, Frankfurt, London und New York als Finanzplätze, deren Kunden über die neue Währung Zugang erhielten.
Die Deutsche Bank investierte im November 2024 in Partior und unterzeichnete am 28. Mai 2025 in Singapur eine Plattformvereinbarung, um als Settlement-Bank für Euro und US-Dollar beizutreten. Am 25. September 2025 wickelte sie ihre erste Euro-Zahlung im Netzwerk ab, mit der Deutschen Bank als Settlement-Bank und DBS als Empfängerbank. Patricia Sullivan, die das institutionelle Cash Management der Deutschen Bank leitet, bezeichnete die Bank bei der Investition als größten Euro-Clearer.
Neue Banken und Währungen in Asien und im Nahen Osten
Emirates NBD, selbst an Partior beteiligt, ging im Juli 2026 live und war die erste Bank der Region Naher Osten, Nordafrika und Türkei mit grenzüberschreitenden Echtzeitzahlungen im Netzwerk. Die erste Live-Transaktion lief in US-Dollar, mit J.P. Morgan als Settlement- und Empfängerbank, und Firmenkunden können nun Empfänger mit Konten bei J.P. Morgan in Echtzeit bezahlen. Im Oktober 2026 unterzeichnete die National Bank of Bahrain eine Absichtserklärung, um eine Rolle als Settlement-Bank für den Bahrain-Dinar zu prüfen.
In Japan vereinbarten SBI Shinsei Bank und DeCurret DCP, die Plattform hinter dem Yen-Einlagentoken DCJPY, im September 2025 eine Studie zur Mehrwährungsabwicklung mit tokenisierten Einlagen im Netzwerk. NH NongHyup Bank testete das Netzwerk im Dezember 2025 als erste koreanische Bank, in einem Pilot mit simulierten Daten. Partior will zehn weitere Währungen aufnehmen, darunter Pfund, Yen, VAE-Dirham und Brasilianischen Real, wie das Unternehmen beim Einstieg der Deutschen Bank mitteilte.
Devisen Zug um Zug und Intraday-Liquidität
Partior FX Settlement tauscht beide Währungsseiten eines Devisengeschäfts im selben Moment aus, als Payment versus Payment zu jeder Stunde der Woche. Damit entfällt das Herstatt-Risiko, also das Risiko, dass eine Seite ihre Währung zahlt, während die andere nicht liefert. Im Juni 2025 schloss sich Partior dem FX-PvP-Dienst von OSTTRA und Baton Systems an, sodass Teilnehmer Devisengeschäfte in tokenisiertem Geschäftsbankengeld in US-Dollar, Euro und Singapur-Dollar abwickeln können.
Mit dem Marktplatz für Intraday-FX-Swaps Finteum und dem Integrationsanbieter Adhara zeigte Partior im September 2025, dass Banken solche Swaps handeln und sofort als PvP abwickeln können, was ihnen hilft, ihre Intraday-Liquidität für Stunden oder Minuten zu steuern. Mit OpenAssets schloss Partior im Juli 2026 einen Proof of Concept ab für Lieferung gegen Zahlung von digitalen Assets und Stablecoins gegen tokenisierte Einlagen.
Im September 2026 kündigten Partior und LSEG Digital Settlement House eine Lösung für mehrere Settlement-Banken an, die Abwicklungsliquidität zu jeder Stunde zwischen Banken verschiebt und vorfinanzierte Nostrokonten weniger nötig macht. Oliver Harris, Global Head von Kinexys by J.P. Morgan, sagte, dass Settlement-Banken und Kunden der Kinexys Blockchain Deposit Accounts damit rund um die Uhr Transaktionen ausführen können.
Gesellschafter und Investoren
J.P. Morgan, DBS und Temasek gründeten Partior 2021, und Standard Chartered kam als vierter Gesellschafter hinzu, als die Bank im November 2022 die Series-A-Runde anführte. Der erste Abschluss der Series-B-Runde brachte im Juli 2024 mehr als 60 Millionen US-Dollar, angeführt von Peak XV Partners mit Valor Capital Group und Jump Trading Group als neuen Investoren. J.P. Morgan, Standard Chartered und Temasek beteiligten sich daran als bestehende Gesellschafter.
Die Deutsche Bank stieg im November 2024 als strategischer Investor in die Series B ein, womit die Gesamtinvestition auf 80 Millionen US-Dollar wuchs. Bis dahin hatte Partior nach Angaben von CEO Humphrey Valenbreder Transaktionen im Wert von mehr als 1 Milliarde US-Dollar abgewickelt. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Singapur und eröffnete 2022 ein Forschungs- und Entwicklungszentrum im indischen Hyderabad.
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Was ist die Partior-Blockchain?
Die Partior-Blockchain ist das private, zugangsbeschränkte Ledger, auf dem Partior seine Dienste für Zahlungen und Devisenabwicklung für Banken betreibt. Nur zugelassene Finanzinstitute haben Zugang zum Ledger, es ist also keine öffentliche Blockchain, der jeder beitreten oder die jeder lesen könnte.
Welche Banken nutzen Partior?
DBS, J.P. Morgan, Standard Chartered und die Deutsche Bank nutzen das Netzwerk im kommerziellen Betrieb, und Emirates NBD folgte im Juli 2026 mit Live-Zahlungen in US-Dollar. SBI Shinsei Bank, NH NongHyup Bank und die National Bank of Bahrain haben das Netzwerk getestet oder Vereinbarungen zur Prüfung einer Anbindung unterzeichnet.
Swift und das gemeinsame Ledger
Partior kann unabhängig von Swift arbeiten, weil Zahlungsauftrag und Abwicklung auf demselben Ledger stattfinden. Das Netzwerk folgt trotzdem ISO 20022, und Ciaran Byrne von der Deutschen Bank erwartet, dass Banken Zahlungen über mehrere Zahlungswege leiten, darunter Swift, Stablecoins und Blockchain-Netzwerke.
Unified Ledger und Projekt Agorá
Partior beschreibt sein Netzwerk als Unified Ledger mit atomarer Endgültigkeit über tokenisierte Instrumente hinweg. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich verwendet denselben Begriff für ihren Vorschlag einer Plattform für tokenisiertes Zentralbankgeld und tokenisierte Einlagen, das Unified Ledger der BIZ, und Zentralbanken testen dieses Konzept mit Geschäftsbanken im Projekt Agorá. Partior betreibt ein kommerzielles Netzwerk in tokenisiertem Geschäftsbankengeld, das auch für die Anbindung an digitales Zentralbankgeld ausgelegt ist.
Zugang für Unternehmen
Unternehmen können sich nicht direkt an Partior anschließen, weil die Plattform nur Finanzinstituten offensteht. Ein Unternehmen nutzt das Netzwerk über eine teilnehmende Bank, so wie die Siemens AG mit Standard Chartered für Euro-Überweisungen zwischen Hongkong und Singapur.
Abwicklung auf gemeinsamen Ledgern
Bankennetzwerke und Auslandszahlungen
Partior und Finance Loop
Finance Loop behandelt die grenzüberschreitende Abwicklung zwischen Banken im Bereich Zahlungsverkehr und digitales Geld. Der Finance Loop Knowledge Hub erklärt in seiner Antwort zu grenzüberschreitenden Zahlungen, wie eine Überweisung von einer Korrespondenzbank zur nächsten wandert, also die Kette, die Partior für seine Banken durch ein gemeinsames Ledger ersetzt.
Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk und will die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranbringen, wie KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, Kompetenzen und persönliche Netzwerke in diesen Bereichen aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.