Kryptoverwahrer in Deutschland

Ein Kryptoverwahrer hält die privaten Schlüssel, mit denen Bitcoin, Ether und andere Kryptowerte bewegt werden, und überträgt sie nur auf Weisung seiner Kunden. In Deutschland sind diese Kunden meist Banken, Broker, Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften, die ihren eigenen Kunden Krypto anbieten, ohne selbst Schlüssel zu halten. Der Verwahrer führt außerdem die Aufzeichnungen zu jedem Bestand und jeder Übertragung, die Prüfer und Aufsicht kontrollieren.

Manche Verwahrer sind Spezialisten mit einer reinen Krypto-Zulassung, andere sind Banken, die Kryptoverwahrung zu ihrer Banklizenz hinzugenommen haben. Die großen Kryptoverwahrer in Deutschland unterscheiden sich im Wert der verwahrten Kryptowerte und in der Zahl der Institute, die eigene Angebote darauf aufbauen. Jeder von ihnen braucht eine Erlaubnis nach der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte.

Verwahrhardware für Kryptoschlüssel in einer Glasvitrine vor einer Tresortür.

Wie diese Liste sortiert ist

Jedes Unternehmen auf dieser Liste steht im vorläufigen MiCA-Register der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA mit der Erlaubnis zur Verwahrung und Verwaltung von Kryptowerten für Kunden. Das Register nennt 18 Unternehmen mit Sitz in Deutschland, die diese Erlaubnis haben. Weder die BaFin noch die ESMA veröffentlichen Verwahrvolumen je Unternehmen, deshalb folgt die Reihenfolge den Kryptowerten und institutionellen Kunden, die jeder Verwahrer selbst angibt. Banken folgen nach den Spezialisten, weil die meisten Krypto für eigene Kunden verwahren und keine eigene Zahl dazu veröffentlichen.

Spezialist oder Bank: zwei Wege zur selben Erlaubnis

Ein Unternehmen ohne Banklizenz braucht eine volle Zulassung als Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen nach Artikel 63 der MiCAR, die die BaFin nach Prüfung von Eigenmitteln, Geschäftsleitung und Verwahrsystem erteilt. Eine Bank oder ein anderes zugelassenes Institut kann stattdessen nach Artikel 60 eine Anzeige bei der BaFin einreichen und dieselben Dienste unter der vorhandenen Lizenz erbringen; die CASP-Lizenz beschreibt beide Verfahren. Tangany, Boerse Stuttgart Digital Custody und BitGo Europe gingen den ersten Weg, Commerzbank, DZ Bank und DekaBank den zweiten. Auf beiden Wegen gilt die Erlaubnis über den MiCA-Pass in der gesamten EU.

Kryptoverwahrer in Deutschland im Vergleich

UnternehmenWegSitzGröße und Kunden
Boerse Stuttgart Digital CustodyMiCAR-ZulassungStuttgartmehr als 5 Mrd. Euro verwahrt, mehr als 200 institutionelle Kunden
TanganyMiCAR-ZulassungMünchenmehr als 3 Mrd. Euro verwahrt, mehr als 60 institutionelle Kunden
BitGo EuropeMiCAR-ZulassungFrankfurtBitGo-Gruppe: rund 65 Mrd. US-Dollar weltweit auf der Plattform
Crypto Finance (Deutschland)MiCAR-ZulassungFrankfurtTeil der Gruppe Deutsche Börse
Hauck Aufhäuser Digital CustodyMiCAR-ZulassungFrankfurtinstitutionelle Kunden, Gruppe ABN AMRO
Bullish EuropeMiCAR-ZulassungFrankfurtBörse für Institutionen
Bitpanda Asset ManagementMiCAR-ZulassungBerlinBitpanda-Gruppe
Tradevest Digital AssetsMiCAR-ZulassungMünchennicht veröffentlicht
DZ BankAnzeige als BankFrankfurtmeinKrypto für Volksbanken und Raiffeisenbanken
DekaBankAnzeige als BankFrankfurtKrypto für die Sparkassen
dwpbankAnzeige als BankEschbornwpNex für angeschlossene Banken
CommerzbankAnzeige als BankFrankfurtFirmenkunden
Deutsche BankAnzeige als BankFrankfurtinstitutionelle und Firmenkunden
Trade RepublicAnzeige als BankBerlinPrivatkunden, Cold Wallets bei BitGo Europe
BerenbergAnzeige als BankHamburgnicht veröffentlicht
V-BankAnzeige als BankMünchenBank für unabhängige Vermögensverwalter
IG EuropeAnzeige als BankFrankfurtTradingkunden
Openbank DeutschlandAnzeige als BankMönchengladbachSantander-Gruppe

Boerse Stuttgart Digital Custody

Boerse Stuttgart Digital ist das Krypto- und Digital-Assets-Geschäft der Börse Stuttgart, und ihre Verwahrgesellschaft erhielt als erster deutscher Kryptoanbieter eine MiCAR-Zulassung der BaFin. Das Unternehmen nennt mehr als 5 Milliarden Euro verwahrte Kryptowerte und mehr als 200 institutionelle Kunden. Boerse Stuttgart Digital verwahrt die Coins hinter meinKrypto, der Krypto-Wallet der DZ Bank für Kunden der Volksbanken und Raiffeisenbanken, und betreibt die Verwahrung hinter dem Krypto-Angebot der DekaBank für die Sparkassen. Boerse Stuttgart Digital und das Krypto-Handelshaus tradias haben ihre Fusion im August 2026 abgeschlossen.

Tangany

Tangany ist ein Kryptoverwahrer in München, der Verwahrung über eine API an andere Unternehmen verkauft, sodass eine Bank oder ein Broker Krypto anbieten kann, ohne selbst Schlüssel zu halten. Tangany arbeitet mit mehr als 60 institutionellen Kunden, verwahrt mehr als 3 Milliarden Euro und erreicht über seine Partner mehr als 700.000 Kunden in Deutschland. Zu den Kunden, die Tangany nennt, gehören eToro, Bitvavo, finanzen.net ZERO und flatexDEGIRO. Tangany hat seit 2025 eine MiCAR-Zulassung für Verwahrung, Staking und Transfers, und die BaFin erteilte im März 2026 eine Zahlungsdienste-Erlaubnis für E-Geld-Token.

BitGo Europe

BitGo ist ein US-Verwahrer für Institutionen, und die BitGo Europe GmbH in Frankfurt erhielt ihre MiCAR-Zulassung der BaFin im Mai 2025. BitGo meldete Ende Juni 2026 rund 65,2 Milliarden US-Dollar an Vermögen auf seiner Plattform (auf Englisch), eine Zahl für die gesamte Gruppe einschließlich 11,9 Milliarden US-Dollar in Staking. Trade Republic verwahrt die Kryptowerte seiner Kunden in Cold Wallets von BitGo Europe.

Crypto Finance (Deutschland)

Crypto Finance gehört zur Gruppe Deutsche Börse, und die Frankfurter Crypto Finance (Deutschland) GmbH erhielt im Januar 2025 eine MiCAR-Zulassung der BaFin für Verwahrung, Handel und Transfers. Das Unternehmen behält zudem seine Erlaubnis für das qualifizierte Kryptoverwahrgeschäft nach dem KWG, die Kryptowertpapiere abdeckt. Die Commerzbank führt die Krypto-Trades ihrer Firmenkunden über Crypto Finance aus und verwahrt die Coins unter eigener Erlaubnis. Als Clearstream die Verwahrung von Bitcoin und Ether für institutionelle Kunden einführte, wählte es Crypto Finance als Unterverwahrer, berichtete Bloomberg (auf Englisch).

Hauck Aufhäuser Digital Custody

Hauck Aufhäuser Digital Custody ist die Krypto-Verwahrtochter der Frankfurter Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, die zur niederländischen ABN AMRO gehört. Die BaFin erteilte dem Unternehmen eine MiCAR-Zulassung für Verwahrung und Verwaltung von Kryptowerten sowie für Transferdienste, wirksam seit Ende November 2025. Hauck Aufhäuser Digital Custody betreut institutionelle Kunden und kann seine Dienste über den MiCA-Pass auch in anderen EU-Ländern anbieten.

Börsen mit deutscher Verwahrgesellschaft

Manche Börsen verwahren die Kryptowerte ihrer Kunden in einer eigenen deutschen Gesellschaft. Bullish Europe in Frankfurt, Teil der institutionellen Börse Bullish, erhielt im September 2025 eine MiCAR-Zulassung der BaFin für Handel und Verwahrung (auf Englisch). Bitpanda hat seine deutsche Verwahrerlaubnis über die Bitpanda Asset Management GmbH in Berlin, neben der österreichischen Zulassung, und liefert die Krypto-Technik hinter dem Angebot der LBBW. Nach Kundenzahlen gehört Bitpanda auch zu den größten Krypto-Börsen in Deutschland.

Verwahrung für Sparkassen und Genossenschaftsbanken

Privatkunden in Deutschland kommen meist über ihre eigene Bank zu Krypto. Die DZ Bank hält die MiCAR-Zulassung für meinKrypto, die Wallet in der VR Banking App, und jede Genossenschaftsbank mit diesem Angebot reicht eine eigene Anzeige bei der BaFin ein. Die DekaBank hat das Krypto-Angebot der Sparkassen bei der BaFin angezeigt. Die dwpbank, die für deutsche Banken die Wertpapierabwicklung übernimmt, erhielt 2026 eine Erlaubnis für Kryptoverwahrung und Transfers (Pressemitteilung), und ihre Plattform wpNex verwahrt nun Krypto für die angeschlossenen Banken.

Commerzbank, Deutsche Bank und Trade Republic

Die Commerzbank verwahrt Bitcoin und Ether für Firmenkunden unter eigener Verwahrerlaubnis und handelt über Crypto Finance. Die Deutsche Bank steht seit Oktober 2026 mit einer Verwahranzeige im ESMA-Register; sie nutzt Verwahrtechnik von Taurus, und Cointelegraph berichtete unter Berufung auf Bloomberg, dass Bitpanda den Dienst unterstützt. Trade Republic verwahrt unter seiner Banklizenz und hält die Kundencoins in Cold Wallets bei BitGo Europe. Auch Berenberg in Hamburg und die V-Bank in München haben Verwahrung angezeigt, ebenso IG Europe und Openbank Deutschland.

Was aus Finoa wurde

Finoa in Berlin erhielt 2023 drei Erlaubnisse der BaFin für Kryptoverwahrung, Kryptobrokerage und Eigenhandel. Heute beschreibt sich Finoa als Technologieanbieter, der kein zugelassener Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen nach MiCAR ist und weder Kryptowerte noch Schlüssel für Kunden verwahrt. Deshalb steht Finoa nicht auf dieser Liste, und das ESMA-Register führt keinen Eintrag für das Unternehmen.

Verwahrer oder Verwahrtechnik

Taurus, Fireblocks, Ripple und Ledger verkaufen Verwahrtechnik an Banken und Börsen und halten selbst keine Kundenwerte. Taurus in Genf liefert Verwahrsoftware, die Banken wie die Deutsche Bank unter eigener Erlaubnis betreiben. Zahlungsfirmen und Banken signieren Transaktionen mit den MPC-Wallets von Fireblocks, während das nutzende Institut der regulierte Verwahrer bleibt. Ripple verkauft Verwahrsoftware an Banken, und Ledger baut die Hardware-Signierer von Ledger Enterprise. MPC-Wallets teilen einen Schlüssel in Teile auf, während Hardware-Sicherheitsmodule ihn in versiegelter Hardware halten.

So prüfen Sie eine Verwahrerlaubnis

Das ESMA-MiCA-Register führt jeden Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen in der EU, auch Banken mit Anzeige nach Artikel 60, und zeigt, welche der zehn MiCAR-Dienste ein Unternehmen erbringen darf. Verwahrung steht dort als Verwahrung und Verwaltung von Kryptowerten für Kunden. Die BaFin-Unternehmensdatenbank zeigt die deutsche Erlaubnis einer Bank oder eines Finanzdienstleistungsinstituts und das Datum der Erteilung. Eine Verwahrzusage in der Werbung eines Anbieters beweist nichts, solange das Register sie nicht bestätigt.

Kommende Krypto-Events in Deutschland

Welche Kryptoverwahrer haben eine Erlaubnis der BaFin?

Kryptoverwahrer mit voller MiCAR-Zulassung der BaFin sind unter anderem Boerse Stuttgart Digital Custody, Tangany, BitGo Europe, Crypto Finance (Deutschland), Hauck Aufhäuser Digital Custody und Bullish Europe. Banken wie DZ Bank, DekaBank, Commerzbank und Deutsche Bank verwahren nach einer Anzeige bei der BaFin. Die Verwahrerlaubnis nach dem KWG deckt heute nur noch Kryptowertpapiere ab, und das Kryptoverwahrgeschäft regelt, wann sie nötig ist.

Verwahranbieter für Banken und Vermögensverwalter

Krypto-Custody-Anbieter in Deutschland, die vor allem für andere Institute arbeiten, sind Tangany, Boerse Stuttgart Digital Custody, BitGo Europe, Crypto Finance (Deutschland) und Hauck Aufhäuser Digital Custody. Eine Bank oder ein Vermögensverwalter bindet einen von ihnen per API an oder verwahrt selbst mit Software eines Technikanbieters. Im ersten Modell behält die Bank Kundenbeziehung und App, und der Verwahrer hält die privaten Schlüssel unter seiner eigenen MiCAR-Zulassung.

Was passiert bei Insolvenz eines Kryptoverwahrers?

Nach Artikel 75 der MiCAR trennt ein Verwahrer die Kryptowerte seiner Kunden rechtlich vom eigenen Vermögen, sodass seine Gläubiger in einer Insolvenz keinen Zugriff darauf haben. Der Verwahrer führt außerdem ein Positionsregister je Kunde und muss die Kryptowerte oder die Zugangsmittel herausgeben. Die gesetzliche Einlagensicherung für Bankkonten erfasst Kryptowerte nicht, deshalb schützt diese Trennung die Kunden.

Kryptoverwahrer in Frankfurt und München

Die Hälfte der 18 deutschen Unternehmen mit Verwahrerlaubnis hat ihren Sitz in Frankfurt, darunter BitGo Europe, Crypto Finance (Deutschland), Bullish Europe und Hauck Aufhäuser Digital Custody. In München sitzen Tangany, die V-Bank und Tradevest Digital Assets, Boerse Stuttgart Digital Custody in Stuttgart. Verwahrspezialisten aus diesen Städten treffen sich auf der Crypto Assets Conference und bei weiteren Events zu Krypto in Frankfurt.

Kryptoverwahrer und Finance Loop

Tangany ist Eventpartner von Finance Loop, und ein Sprecher von Tangany stand auf dem Programm der Digital Finance Night, die Finance Loop während der Crypto Assets Conference ausrichtete. Bei Capital & Code in Frankfurt, wo Finance Loop Medienpartner ist, spricht Dr. Ming Schuhmacher von der Deutschen Bank mit BitGo und Hercle über Verwahrung und Stablecoin-Zahlungen. Kryptoverwahrung gehört bei Finance Loop zum Track Investment und digitale Vermögenswerte.

Finance Loop ist ein Experten-Netzwerk mit dem Ziel, die institutionelle Nutzung neuer Technologien im Finanzwesen voranzutreiben, etwa KI, digitale Zahlungen sowie Cloud- und Blockchain-Lösungen. Finance Loop hilft seinen Mitgliedern, in vier Themenfeldern Know-how und persönliche Netzwerke aufzubauen: Investment und digitale Vermögenswerte, Zahlungsverkehr und digitales Geld, Digitale Infrastruktur und Souveränität und Risiko und Compliance.

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